Rund 2.200 Arbeiter – darunter zahlreiche Arbeitskräfte aus den italienischen und slawischen Teilen des Kaiserreiches – traten im Juli 1907 in Böckstein (Bad Gastein) in den Streik und brachten den Bau des Tauerntunnels vorübergehend zum Stillstand. Vorausgegangen waren wiederholte, jedoch erfolglose Forderungen nach Lohnerhöhungen, trotz der Missstände vor Ort und der oft erniedrigenden Arbeitsbedingungen.
Im Zuge des Streiks standen die Arbeiter der Gendarmerie sowie dem zweiten Bataillon der Tiroler Kaiserjäger gegenüber. Josef Proksch, Landesvertrauensmann der Gewerkschaften, reiste nach Bad Gastein, um die Situation zu entschärfen und Verhandlungen zu führen. Am 24. Juli wurde die Arbeit schließlich wieder aufgenommen. Die Gewerkschaft konnte wesentliche arbeitsrechtliche Verbesserungen durchsetzen – nicht zuletzt dank der großen Solidarität innerhalb der Arbeiterschaft.
Zur Person
Josef Proksch wurde am 10. April 1876 geboren. Er erlernte den Tischlerberuf und schloss sich früh der Gewerkschaftsbewegung an. Bereits 1901 wurde er zum Obmann der vereinigten Fachvereine gewählt, später zum Landesvertrauensmann der Gewerkschaften ernannt. Gemeinsam mit Robert Preußler zog er 1909 im vierten Wahlkörper in den Salzburger Landtag ein.

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs entfernte sich Proksch von der Gewerkschaftsbewegung. In der Folge gründete er in der Paris-Lodron-Straße eine Leimfabrik und betrieb später einen Gasthof in der St.-Julien-Straße. Er starb am 30. August 1940 in Salzburg.
Titelfoto: Privatsammlung
