Sozialdemokratische Landagitation: Realpolitische Notwendigkeit im Kampf um politische Mehrheiten

„…daß wir ohne Bauern vielleicht die politische Macht gewinnen, aber ohne sie nicht behalten können [01]“ – der Parteitag von Graz und seine Folgen

Anfang September 1900 wurde am Grazer Parteitag der „deutschen Sozialdemokratie Österreichs“ eine Resolution zur Landagitation mit wenigen kleineren Zusätzen einstimmig angenommen. Diese Entschließung beinhaltete erste Programminhalte, wenngleich penibel darauf geachtet wurde, strittige Punkte auszusparen [02].

Im Kern der Debatte ging es um die Frage, wie weit die Sozialdemokratie bereit sein sollte, sich von ihren damals noch jungen programmatischen Grundsätzen zu lösen, um durch die Ansprache neuer Wähler:innenschichten die notwendigen politischen Mehrheiten erringen und dauerhaft sichern zu können. Dies bedeutete konkret, das agrarpolitische Programm über die Landarbeiterschaft hinaus auf Kleinbauern, Häusler und kleinere landwirtschaftliche Besitzende auszuweiten.

Wilhelm Ellenbogen, der später als langjähriger Reichsrats- und Nationalratsabgeordneter Bekanntheit erlangen sollte, fungierte als Berichterstatter. Er kritisierte eingangs, dass die sozialdemokratische Literatur zur landwirtschaftlichen Frage in sich widersprüchlich sei und dass man die „Gesetze der industriellen Entwicklung“ nicht so einfach auf die Landwirtschaft übertragen könne. Dafür seien die landwirtschaftlichen Betriebsformen einfach zu verschieden.

Abseits theoretischer Fragen erwies sich die praktische Umsetzung schwieriger als gedacht, vor allem in der Frage, wie es gelingen könnte, Landarbeiter zu organisieren. Ellenbogen hielt dazu fest, dass bisherige Versuche in England scheiterten, lediglich in Italien und Ungarn konnten erste bescheidene Organisationsstrukturen aufgebaut werden. Trotz aller Widrigkeiten seien aber die ländlichen Zugewinne bei Wahlen vielversprechend, vor allem die Sozialdemokratie in Deutschland konnte hier auf bedeutende Erfolge verweisen. Für den Berichterstatter erschien es daher ratsam, die Landagitation auch auf andere Zielgruppen auszuweiten:

„Aus alledem ergibt sich, daß ein Erfolg nur dort erzielt wurde, wo sich die Partei nicht allein auf den Landarbeiter beschränkt hat, sondern die Agitation auch auf die kleinen Bauern, Häusler, ganz kleine Besitzer ausdehnte. […] Es sind fünfeinhalb Millionen Menschen, um die es sich hier handelt, die wir nicht rechts liegen lassen können, und wo genug Elend, genug Trübsal vorhanden ist, dessen sich die Sozialdemokratie annehmen muß.“ [03]

Ellenbogen führte weiter aus, dass es dafür eine „Hebung der Bildung“ benötige, die erst noch geschaffen werden müsse wie etwa die „Erweiterung der Schulbildung“ oder die „Uebernahme der Schullasten durch den Staat“. So könne den Bauern der Sozialismus beigebracht werden, auch gegen den „niederdrückenden Einfluß des katholischen Klerus“. Zudem gelte der Grundsatz, dass Religion Privatsache sei. All das wäre jedoch ohne ein politisches Programm zum Scheitern verurteilt, weshalb Ellenbogen auf den zur Abstimmung befindlichen Resolutionsentwurf verwies. [04]

Bevor die inhaltlichen Details näher erläutert wurden, fiel ein unscheinbarer, zugleich jedoch bemerkenswerter Satz, der eine selbstkritische Haltung der Sozialdemokratie widerspiegelte: Man dürfe nicht lediglich als Lehrender aufs Land ziehen, sondern müsse die Perspektive derjenigen einnehmen, die man zu erreichen sucht. Gelinge dieser Perspektivwechsel, so eröffne sich die Möglichkeit, neue gesellschaftliche Einsichten zu gewinnen und die eigenen politischen Strategien entsprechend weiterzuentwickeln. [05]

Im Resolutionstext wurden Landarbeiter und Kleinbauern als zentrale Zielgruppen der Agitation bestimmt. Zugleich wurde es als vorrangige Aufgabe formuliert, den ländlichen Konservativismus zurückzudrängen. Dieses Ziel sollte unter anderem durch die Einführung eines allgemeinen und gleichen Wahlrechts sowie durch die verstärkte Verbreitung von Zeitungen, Broschüren und anderem Aufklärungsmaterial erreicht werden. Der Klerikalismus sei dabei mit aller Wucht zu bekämpfen, jedoch unter gleichzeitiger Rücksichtnahme auf die religiösen Empfindungen der Landbevölkerung. Schließlich wurde auch die ländliche Kommunalpolitik als wichtiger Ansatzpunkt für die Agitation hervorgehoben. [06]

Es folgten Forderungen für landwirtschaftliche Reformen, die auf eine gemeinschaftlich organisierte Erzeugung und Verteilung der Bodenprodukte, auf die Zurückdrängung von Sonderrechten und Machtansprüchen einzelner Besitzender, auf die allgemeine Verbesserung der Bodenkultur sowie auf günstigere und leichtere Versorgung mit Lebensmitteln und schließlich auf den körperlichen und geistigen Schutz der Landarbeiter gerichtet waren. [07]

Konkret verlangte man die Vergesellschaftung von „Wald und Wiese“ durch staatliche Maßnahmen sowie eine Erweiterung des öffentlichen Landbesitzes. Alle Sonderrechte, die mit dem Grundbesitz verbunden waren – etwa Bannrechte oder fideikommissarische Regelungen – sollten aufgehoben werden. Zum Reformprogramm gehörten ferner Maßnahmen zur Hebung der Bodenkultur, Ufer- und Wildbachverbauungen sowie die Einführung moderner, wissenschaftlich gestützter Standards zur Sicherung der Lebensmittelversorgung. Für die Landarbeiter forderte man eine umfassende sozialrechtliche Absicherung, einschließlich staatlich organisierter Kranken-, Unfall-, Alters- und Invaliditätsversicherungen. [08]

Im unmittelbaren Anschluss wurde die Diskussion zur Landagitation eröffnet, die mitunter kontrovers geführt wurde. Georg von Vollmar, der als Gast der bayrischen SPD anwesend war, merkte als erster Redner an, dass die Sozialdemokratie in der Landfrage bislang nur Analogieschlüsse aus der Industrie gezogen hätte:

„Seit die Lehre des internationalen Sozialismus existiert, hat sich auf dem Gebiete der Landwirthschaft nichts gezeigt, war der industriellen Entwicklung der Kapitalskonzentration entspräche. […] Es steht so, daß auch der Beweis, daß die Großproduktion in der Landwirthschaft vortheilhafter sei als der Kleinbetrieb (Anm.: im Sinne von ökonomisch durchsetzungsfähiger und für die sozialistische Umformung nützlicher), nicht erbracht ist. […] Nach meiner Auffassung ist es Unsinn, sich vorzustellen, daß in einem Jahre oder auch nur in Jahrzehnten die Gesammtheit der Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigenthum und gesellschaftliche Betriebe übergeführt werden könne;“ [09]

Vollmar hinterfragte zum Abschluss seines Redebeitrages auch Friedrich Engels’ Einschätzung vom historisch unvermeidlichen Untergang der bäuerlichen Kleinbetriebe [10] und plädierte dafür, sich dem strategischen Dilemma zu stellen. Statt den Kleinbetrieb vorschnell als historisch verloren anzusehen, müsse die sozialdemokratische Politik Wege finden, ihn vorerst zu schützen und damit auch das Eigentum der Kleinbauern:

„…das heißt wir können sehr wohl Maßregeln ergreifen, die den Kleinbetrieb in der Landwirthschaft zur Zeit aufrechterhalten und ihn befähigen können, sich gegenüber der Konkurrenz des Großbetriebes zu halten, ohne daß wir deshalb unseren Prinzipien entgegenhandeln. Wer nicht auf diesem Standpunkt steht, kann ein Landprogramm, ein Bauernprogramm nicht machen; denn wenn Sie den kleinen Bauer schützen wollen, so schützen Sie damit auch sein Eigenthum.“ [11]

Weitere Redner nahmen Stellung und sprachen offen die Spannungen zwischen der theoretischen Resolution und den praktischen Gegebenheiten vor Ort an. Ein Genosse gab zu bedenken, dass eine bloße Unterscheidung zwischen Groß- und Kleinbauern nicht ausreiche, da die maßgeblicheren Unterschiede seiner Ansicht nach zwischen Berg- und Flachlandbauern vorhanden waren. Vor allem die bäuerliche Bevölkerung in den Gebirgsregionen sei durch die Landessubventionen benachteiligt und daher für die sozialdemokratische Landagitation eine besonders aussichtsreiche Zielgruppe [12].

Victor Adler sprach sich am zweiten Tag der Debatte als prominentester Redner grundsätzlich für die Resolution von Dr. Ellenbogen aus. Zugleich warnte er davor, dass die SDAP in der Landfrage weder aus taktischen noch aus prinzipiellen Erwägungen zu einer „verwaschenen Opportunitätspartei“ werden dürfe. In seiner Erwiderung auf Vollmar betonte Adler zudem, dass sich das kleine und mittlere landwirtschaftliche Eigentum bislang nicht als „kulturwidrig“ erwiesen habe und daher vor Ausbeutung von oben geschützt werden könne. [13]

Nachdem die Redebeiträge abgeschlossen waren, nahm die Parteivertretung die Resolution mit einigen geringfügigen Ergänzungen an. Damit hatte die österreichische Sozialdemokratie nach längerem Zögern einen eigenen theoretischen Standpunkt zur Landagitation formuliert. Die praktische Umsetzung dieses Programms sollte sich jedoch weiterhin als schwierig und von großen Hindernissen geprägt erweisen.

Die gegnerische Presse beschäftigte sich in den kommenden Wochen eingehend mit den Ergebnissen des Grazer Parteitages. Offener Antisemitismus („der Jude und Socialistenführer Dr. Ellenbogen“) paarte sich mit Polemik („religiöse Falschheit“, „wirtschaftliche Patzigmacherei“, „sociale Hetzerei“ usw.). Zudem wurde betont, dass die Sozialdemokratie trotz der Resolution in vielen Fragen uneins sei, was vor allem der am Parteitag anwesende Abgeordnete Vollmar aus Bayern deutlich machte. [14]

Besonders intensiv wurde das Verhältnis zwischen Sozialdemokratie und Religion thematisiert. So schrieb das Correspondenz-Blatt für den katholischen Clerus Österreichs etwa:

„Nein, unsere Bauern wissen ganz gut, dass bei den Socialdemokraten nicht nur der alten Schule, sondern auch bei denen der neuen Schule Atheismus und Freigeisterei identisch ist mit Socialdemokratie! […] Unsere Sorge muss es sein, die Bauern vor der Socialdemokratie zu bewahren! Das wird aber am Besten dadurch geschehen, dass wir die Bauern über die socialdemokratische Partei aufklären, dass wir ihnen an der Hand socialdemokratischer Aussprüche, Reden und Schriften die wahre Gestalt dieser Partei zeigen.“ [15]

Zwischen den Zeilen wurde auch eine zunehmende Konkurrenzsituation spürbar: Hatten konservativ-katholische Medien vor einigen Jahren noch allerlei Spott für die sozialdemokratischen Bemühungen übrig gehabt, wurde der Ton nun zusehends ernster. Der Kärntner Volksbote schrieb etwa, dass der SDAP in den letzten Jahren zwar nicht alles gelungen, die Parteiarbeit aber dennoch vorangeschritten sei. Dies zeige sich auch an der Landagitation sowie an der damit in Zusammenhang stehenden Erkenntnis der Genoss:innen, dass für einen nachhaltigen Wahlerfolg auch die Landbevölkerung benötigt werde. [16]

Erste Grundsätze der Gemeindepolitik

Eng mit der Frage der Landagitation war das Wirken der Sozialdemokratie in den Gemeinden verknüpft. Auf dem Grazer Parteitag wurden etliche Grundsätze beschlossen, unter anderem zum Wahl- und Heimatrecht, zur Armenversorgung sowie zum Schulwesen. Mit besonderem Nachdruck forderte die Partei ein neues Wahlrecht ein: Männer und Frauen sollten nach Vollendung des 20. Lebensjahres das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht erhalten. Dies hätte in weiterer Folge die Aufhebung der Wahlkörper sowie die Beseitigung der Virilstimmen nach sich gezogen. [17]

Mit der Einführung einer fünften, allgemeinen Wählerklasse im Jahr 1896 erhielten zwar bislang ausgeschlossene männliche Staatsbürger Zugang zu den Wahlen zum Reichsrat. Das Wahlsystem blieb jedoch weiterhin sozial stark abgestuft und schloss Frauen generell von der politischen Teilhabe aus. Auf Landes- und Gemeindeebene bestanden die an Steuerleistung, Besitz und sozialem Status gebundenen Wahlordnungen unverändert fort; Die Reform stellte somit einen wichtigen Etappenerfolg dar, beseitigte die strukturellen Ungerechtigkeiten jedoch nicht. Franz Schuhmeier, der am Grazer Parteitag für den Tagesordnungspunkt „Gemeindewahlrecht“ als Berichterstatter fungierte, meinte am Schluss seiner Rede: „Den Arbeitern das Wahlrecht in den Landtag und die Gemeinde zu verschaffen, soll unsere nächste politische Arbeit sein.[18]

Ein weiteres Beispiel, wie Landagitation und Organisationsaufbau in den Gemeinden thematisch verknüpft wurden, zeigte sich am neunten Landesparteitag der niederösterreichischen Sozialdemokratie Ende März 1901 in Floridsdorf. Dort wurde unter anderem die folgende Resolution beschlossen:

„In allen Orten, wo Organisationen bestehen, haben die Genossen die Pflicht, zu ihren Besprechungen, Vorträgen, Versammlungen ec. die landwirthschaftlichen Arbeiter einzuladen. Insbesondere ist ein Hauptaugenmerk auf die im Großgrundbesitz beschäftigten Arbeiter zu richten. Dasselbe gilt auch für Orte, wo Frauenorganisationen bestehen.“ [19]

Tatsächlich konnte ein Jahr später auf dem zehnten Landesparteitag ein erster positiver Zwischenbericht vorgelegt werden. Besonders hervorgehoben wurde dabei der VII. Wahlkreis im oberen Waldviertel. Zudem sollte die bevorstehende Landtagswahl dazu genutzt werden, die Wahlwerbung in den ländlichen Regionen weiter zu forcieren. [20]

Der Grazer Parteitag öffnet den Weg zu neuen Zielgruppen

Die beschlossene Resolution zur Landagitation markierte einen wichtigen Schritt in der strategischen Neuausrichtung der Partei am Beginn des 20. Jahrhunderts. Angesichts der Erkenntnis, dass politische Macht ohne die Einbindung der Landbevölkerung nicht dauerhaft zu sichern sei, öffnete sich die Sozialdemokratie gegenüber Landarbeitern, Kleinbauern und Häuslern. Diese realpolitische Erweiterung des Adressatenkreises ging mit ideologischen Spannungen einher, da die Übertragbarkeit industrieller Entwicklungsgesetze auf die Landwirtschaft in Frage gestellt wurde. Die Partei konnte für sich die entscheidende Frage nicht klären, welche Betriebs- bzw. Produktionsform die beste sei. Was blieb, war ein pragmatischeres Zugehen auf die Landbevölkerung – auch hinsichtlich der vieldiskutierten Religionsfrage.

Zeitgenössische Kommentatoren sprachen in diesem Zusammenhang mitunter auch von zwei Strömungen innerhalb der Sozialdemokratie, wobei Georg von Vollmar und August Bebel die beiden markanten Gesichter dieser unterschiedlichen Auffassungen darstellten:

„Auf manchem Parteitage schon sind Bebel und Vollmar zusammengestoßen, und dabei war Bebel noch der Mann der Mäßigung, verglichen mit dem verstorbenen Liebknecht. Mehr als eine Streitfrage hat unbeglichen beiseite geschoben werden müssen, so die, ob die Landagitation der Socialdemokratie nach dem französischen Muster des Opportunismus betrieben werden soll, oder ob den proletarisierten Kleinbauern und dem richtigen Landproletariat offen heraus gesagt werden soll, daß die Partei die Abschaffung des Privateigenthums erstrebt. In dem Zwist, der nicht aufhören will, vertritt Bebel den Doktrinarismus, Vollmar die geschickte Fähigkeit, mit dem praktischen Leben Compromisse einzugehen. Man kann aber nicht sagen, daß die häufigen Reibungen das Gefüge der Socialdemokatie ernstlich bedrohen.“ [21]

Gleichzeitig verdeutlichten die Debatten auch die strukturellen und kulturellen Herausforderungen der Landagitation: organisatorische Schwächen in der Parteistruktur, die starke Stellung des Klerus sowie die heterogenen Lebensverhältnisse im ländlichen Raum erschwerten eine einheitliche Strategie. Die programmatischen Forderungen – von agrarischen Reformen und sozialer Absicherung bis hin zur Demokratisierung des Wahlrechts und der Stärkung kommunaler Politik – spiegelten den Versuch wider, soziale Frage und politische Teilhabe miteinander zu verknüpfen. Die zeitgenössischen Reaktionen, insbesondere aus konservativ-katholischen Kreisen, zeigten zudem, dass die sozialdemokratischen Vorstöße zunehmend als ernsthafte Konkurrenz wahrgenommen wurden.

Insgesamt stand die Landagitation um 1900 somit für den Übergang der österreichischen Sozialdemokratie von einer klassenpolitisch verengten hin zu einer breiter angelegten, auf Mehrheitsfähigkeit zielenden Massenpartei.

Nachsatz: Auch wenn in Graz die programmatischen Grundlagen für die politische Arbeit auf dem Land gelegt worden waren, stellte das Parteiprogramm keinen durchgehend geschlossenen Text dar. Vor dem Parteitag hatte es sich vielmehr um eine Zusammenstellung verschiedener Resolutionen gehandelt, darunter die Prinzipienerklärung sowie Resolutionen zu Arbeiterschutzgesetzen und zur Sozialreform. Auch nach Graz wurde es durch ein zusätzliches Nationalitätenprogramm sowie die neue Resolution zur Landagitation ergänzt. Die beschlossenen Ausführungen zur Gemeindepolitik hatten zu diesem Zeitpunkt lediglich den Charakter allgemeiner Grundsätze und stellten noch kein kommunalpolitisches Programm im eigentlichen Sinne dar. Die Aufbauarbeit der Partei beschränkte sich somit nicht allein auf organisatorische Fragen, sondern fand auch in der weiteren Ausformung ihres inhaltlichen Profils ihren Ausdruck. [22]

Das Vermächtnis Konrad Deublers

Als am 19. Juni 1904 im Salzkammergut eine Gedenktafel für den Bauernphilosophen Konrad Deubler (1814–1884) enthüllt wurde, waren zahlreiche Arbeiterdelegationen aus Wien, Linz, Salzburg, Graz sowie aus der näheren Umgebung angereist. Mehr als 800 Arbeiter:innen und Personen aus der freigeistigen Bewegung gedachten des Autodidakten und Aufklärers, der durch sein Interesse an Wissenschaft sowie an moderner philosophischer und naturwissenschaftlicher Forschung in weiten Kreisen der deutschen Gelehrtenwelt bekannt geworden war. Aus Sicht der Sozialdemokrat war Deubler vor allem ein Aufklärer, der sich gegen jene österreichische Tradition stellte, in der die Obrigkeit in den Bauern keine eigenständig denkenden Menschen, sondern lediglich Arbeitskräfte sehen wollte.

Konrad Deubler wurde am 26. November 1814 als Sohn eines Bergknappen in Bad Goisern am Hallstättersee geboren. Zunächst erlernte er den Beruf des Müllers, später war er als Bauer und Landwirt tätig. Der streng religiös erzogene Junge entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem überzeugten Freigeist; insbesondere die Schriften Ludwig Feuerbachs übten einen nachhaltigen Einfluss auf ihn aus. Er pflegte zahlreiche Brieffreundschaften mit Schriftstellern und Pädagogen wie David Friedrich Strauß und Johann Heinrich Daniel Zschokke. Das Wissen, das er sich angeeignet hatte, gab er nach Kräften an die Bevölkerung weiter.

Ende Mai 1853 wurde Deubler wegen Hochverrats und Religionsstörung verhaftet und angeklagt. Ihm wurde vorgeworfen, aufklärerische und religionskritische Schriften unterstützt und verbreitet zu haben. Vierzehn Monate später kam er frei, wurde jedoch unmittelbar darauf erneut verhaftet und musste in weiterer Folge eine vierjährige Zuchthausstrafe verbüßen. Nach seiner Freilassung im März 1857 blieb er seinen Überzeugungen weiterhin treu und wurde sogar zum Bürgermeister von Bad Goisern gewählt. Als er 1884 starb, hinterließ er eine Bibliothek von rund 1.400 Büchern sowie zahlreiche Briefe, Tagebucheinträge und weitere schriftliche Aufzeichnungen.

Die Sozialdemokratie verband mit Deubler ein nicht zu unterschätzendes Moment für die Beurteilung der Entwicklungsfähigkeit der ländlichen Bevölkerung, denn der Bauernphilosoph stand mit seinem Wissensdrang nicht allein da [23]. Deubler wurde zu einem Sinnbild des Widerstands gegen Reaktion und Rückwärtsgewandtheit sowie zu einem überzeugten Verfechter von Bildungshunger und Freiheitssinn. Er war für die Sozialdemokratie deshalb wichtig, weil er mit seiner Vita aufzeigte, dass politische Emanzipation nicht nur aus dem Industrieproletariat kommen musste. In Bad Goisern und dem Salzkammergut verband er Bildung und gesellschaftliche Kritik mit einer Autorität, die für viele Menschen glaubwürdig war. Gerade so machte er als Bauernphilosoph sozialdemokratische Ideen in einem ländlichen Umfeld anschlussfähig. Seine Bedeutung liegt also weniger darin, dass er selbst ein typischer Arbeiterführer gewesen wäre, sondern darin, dass er als Brückenfigur zwischen bäuerlicher Welt und moderner Arbeiter:innenbewegung wirkte.

Eine Krankenversicherung für Land- und Forstarbeiter:innen

Von der Einführung der Sozialversicherung hatte sich die Habsburgermonarchie erhofft, die neu entstandene gesellschaftliche Gruppe der Industriearbeiter:innen dem Einfluss der politischen Arbeiter:innenbewegung zu entziehen. Bereits 1887 wurde das Arbeiter-Unfallversicherungsgesetz (RGBl. 1888/1) verabschiedet, ein Jahr später folgte das Arbeiter-Krankenversicherungsgesetz (RGBl. 1888/33).[24] Land- und Forstarbeiter:innen blieben jedoch von diesem Versicherungsschutz ausgeschlossen. Die Sozialdemokratie verfolgte daher zunehmend das Ziel, auch diese Berufsgruppe in die Krankenversicherung einzubeziehen, stieß damit jedoch auf erbitterten Widerstand.

In der Steiermark setzten sich beispielsweise die sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten Dr. Michael Schacherl und Hans Resel für eine Verbesserung dieser Situation ein. In der Landtagssitzung vom 5. Oktober 1904 verwiesen sie darauf, dass die Industrie- und Gewerbearbeiter:innen bereits seit 16 Jahren über ein Krankenversicherungsgesetz verfügten, auch wenn dieses noch zahlreiche Mängel aufgewiesen habe. Für die Arbeiter:innen in der Land- und Forstwirtschaft stelle sich die Lage hingegen deutlich schlechter dar:

„Um so trostloser schaut es heute noch bei den Arbeitern der Land- und Forstwirtschaft aus, die im Falle ihrer Erkrankung entweder lange Zeit der ärztlichen Behandlung entbehren müssen oder auf Kosten teils der Dienstgeber, teils des Landes aufs Spital angewiesen sind, während ihre Familienangehörigen dem größten Elend preisgegeben sind.“ [25]

Die sozialdemokratischen Abgeordneten argumentierten, dass Land- und Forstarbeiter:innen ein Recht auf ärztliche Behandlung und Unterstützung ihrer Familien hätten, anstatt im Krankheitsfall auf die als entwürdigend empfundene Armenpflege angewiesen zu sein. Zugleich bezeichneten sie diesen Schritt als deutlich sinnvoller als den Gegenvorschlag des christlichsozialen Abgeordneten Franz Hagenhofer, der die Einführung einer Dienstbotenprämie befürwortete. Hagenhofer, der im Landtag als Sprecher der konservativen Bauernschaft auftrat, hielt den beiden Sozialdemokraten entgegen, ihr Engagement für das Landproletariat sei lediglich von parteipolitischer Agitation auf dem Land motiviert. [26]

Schacherl entgegnete, eine Ausweitung der Krankenversicherung würde sowohl die öffentliche Verwaltung als auch die Dienstgeber:innen finanziell entlasten. Arbeitgeber:innen wären dann nicht länger gezwungen, ihre erkrankten Dienstboten zu Hause von Laienheiler:innen versorgen zu lassen, sondern könnten sie unmittelbar in ein Spital einweisen. Darüber hinaus betrachtete er eine Krankenversicherung auch als geeignetes Mittel, der zunehmenden Landflucht entgegenzuwirken. [27]

Anfang Januar 1905 beschloss der steirische Landtag schließlich auf Antrag Hagenhofers, für das laufende Jahr 10.000 Kronen für Dienstbotenprämien, Rentenspareinlagen und Altersrenten für „brave“ Dienstbot:innen bereitzustellen. Dieser Beschluss löste bei den Sozialdemokraten erhebliche Empörung aus. [28] Wenige Tage später lehnte der volkswirtschaftliche Ausschuss des steirischen Landtages den sozialdemokratischen Antrag auf Einführung einer Krankenversicherung für Land- und Forstarbeiter:innen ab.

Christliche Arbeiter:innen in der Steiermark

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Versuche unternommen, steirische Arbeiter:innen auf katholischer Grundlage zu organisieren. Der erste katholische Arbeiter:innenverein entstand bereits 1869 in Bad Aussee. Weitere Gründungen wurden initiiert, doch lediglich die Lesevereine in Eisenerz und Gußwerk bestanden über einen längeren Zeitraum. Zahlreiche andere Vereine im ländlichen Raum konzentrierten sich vor allem auf religiöse Sammlung und Gebet und erreichten damit nicht ihr Ziel, die Arbeiter:innen dauerhaft an sich zu binden. [29]

Eine Zeitungsnotiz aus dem Jahr 1905 erläuterte daher den Leser:innen, wie die Gründung christlicher Arbeitervereine im gesamten Land erfolgen sollte. Voraussetzung war das Vorhandensein von 20 „sicheren Gesinnungsgenossen“. Konnte diese Zahl vor Ort nicht erreicht werden, sollte das christliche Arbeitersekretariat in Leoben die weiteren Aufbauarbeiten koordinieren. [30]

Zugleich wurde aufmerksam verfolgt, welche neuen Agitationsvereine entstanden. Das christlich-soziale Grazer Volksblatt betrachtete etwa die Gründung eines sozialdemokratischen Volksbildungs- und Rechtsschutzvereins mit Kritik und bezeichnete ihn als plumpe Nachahmung der katholischen Arbeiter- und Volksbildungsvereine mit Rechtsschutz und Unterstützung. Zugleich wurde den Sozialdemokrat:innen unterstellt, dass sie ihre politische Ausrichtung bei der Landagitation bewusst verschleiern und den Verein als organisatorisches Instrument dieser Agitation nutzen würden. [31]

Die Sorge vor einem „Wahlrecht der Knechte“

Im Jahr 1896 wurde das Wahlrecht – wie bereits an anderer Stelle dargestellt – durch die Einführung einer fünften Kurie für die allgemeine Wählerklasse erweitert. Zuvor hatte das Kurienwahlsystem lediglich die Kurien der Großgrundbesitzer, der Handelskammern, der Städte sowie der Landgemeinden umfasst. Die besitzenden Klassen verfügten damit faktisch über eine Form des Pluralwahlrechts: In den ersten vier Kurien wählten sie die ihnen zugewiesenen 353 Abgeordneten ausschließlich selbst, während sie in der fünften Kurie gemeinsam mit der Arbeiterklasse weitere 72 Abgeordnete bestimmten.

In den folgenden Jahren wurden zahlreiche Vorschläge für eine weitere Reform des Wahlrechts diskutiert, jedoch wiederholt verworfen. Insbesondere die Sozialdemokratie erhob die Einführung des allgemeinen Wahlrechts zu einer ihrer zentralen politischen Forderungen. Am 28. November 1905 fand in Wien eine Großdemonstration mit rund 250.000 Arbeiter:innen statt, wodurch der politische Druck auf die Regierung erheblich zunahm. Bereits im Dezember 1906 wurde schließlich die Beck’sche Wahlrechtsreform beschlossen, die mit dem Jahr 1907 in Kraft trat. Sie führte ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht für Männer ein. Das bisherige Kurienwahlsystem, das bestimmte Bevölkerungsgruppen strukturell bevorzugt hatte, gehörte damit der Vergangenheit an. Die Reform stellte einen Meilenstein der österreichischen Verfassungsgeschichte dar, darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass Frauen weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen blieben.

Im Vorfeld der Beck’schen Wahlrechtsreform machten sich etwa steirische Stimmen aus der Landwirtschaft für die Beibehaltung eines Pluralwahlsystems stark. Sie befürchteten, dass selbständige Landwirte gegenüber Land- und Forstarbeitern ins Hintertreffen geraten könnten, sofern es der Sozialdemokratie im Zuge ihrer Agitation auf dem Land gelänge, einen Großteil dieser Bevölkerungsgruppe für sich zu gewinnen. Auf der Generalversammlung des katholisch-konservativen Bauernvereins sprach man sich daher für ein System aus, das Besitzern mit einer Steuerleistung von mehr als 20 Kronen zwei Stimmen einräumen sollte [32]. Die Frage, wie sich ein Vordringen der Sozialdemokratie in den Bauernstand verhindern ließe, wurde in der zeitgenössischen Berichterstattung zu einer regelrechten Existenzfrage stilisiert. Zugleich entstand das Schreckbild eines „Wahlrechts der Knechte“, das angeblich den Untergang der Bauernschaft herbeiführen würde:

„Es ist eine ziemlich kühne (!) Zumutung, die Bauern einer solchen Gefahr (nämlich der sozialdemokratischen) auszusetzen und ihnen dann den Rat zu geben, sie sollen ihre nichtselbständigen Berufsangehörigen durch ‚Förderung der Vertretung ihrer geistigen und wirtschaftlichen Interessen‘ gegen das sozialdemokratische Gift immunisieren.“ [33]

Als am 1. Dezember 1906 die Wahlrechtsreform im Abgeordnetenhaus mit 194 gegen 63 Stimmen beschlossen wurde, war die Freude innerhalb der Sozialdemokratie groß. Zugleich blickte man mit Sorge auf das Herrenhaus, das bis zuletzt mit einem Pluralwahlrecht kokettiert hatte. Die Obstruktion der nicht gewählten zweiten Kammer – zusammengesetzt aus Erzherzögen, hohen Geistlichen, erblichen Adligen und vom Kaiser ernannten Persönlichkeiten – blieb jedoch aus.

Persönliche Eindrücke: Das zähe Ringen um ländliche Stimmen

Im Wahljahr 1907 geriet die sozialdemokratische Landagitation in den parteilich ausgerichteten und milieugeprägten Medien zum Gegenstand intensiver inhaltlicher Auseinandersetzung. Die Salzburger Chronik warf der SDAP etwa einen heuchlerischen Umgang mit dem Bauernstand vor: Einerseits würden unrealistische Versprechen staatlicher Schutzmaßnahmen abgegeben, andererseits sei die Eigentumsfrage der Kleinbauern innerhalb der Partei nicht konsequent geklärt. Zur Verdeutlichung zog das Blatt den Vergleich mit einem Arzt heran, der einem Schwerkranken zwar Hoffnung mache, gegenüber seinen Kolleg:innen jedoch eingestehe, dass der Patient nicht zu retten sei. [34]
Das Grazer Volksblatt warf den Sozialdemokrat:innen wiederum vor, gemeinsame Sache mit der Bauernbündlerbewegungzu machen [35]. Getrieben vom gemeinsamen Hass auf den katholischen Bauernverein (Anm.: Vorläufer des heutigen Bauernbundes) seien Wahlzweckbündnisse eingegangen worden. Dadurch hätten die Bauernbündler der SDAP gewissermaßen den Haustürschlüssel zu den Landgemeinden in die Hände gelegt. Zudem sei Dr. Schacherl nahezu jeden Sonntag auf dem Land unterwegs, um dort unverhohlen sozialdemokratische Parteipropaganda zu betreiben. [36]

Dr. Schacherl schilderte im selben Jahr seine Eindrücke von ebensolchen Parteiveranstaltungen im 14. steirischen Wahlbezirk, der damals die Gerichtsbezirke Liezen, Irdning, Schladming, Gröbming, Oberzeiring und Oberwölz umfasste. Diese Regionen galten im Vorfeld von Wahlen als besonders hart umkämpft und war daher Schauplatz zahlreicher Wahlkampfveranstaltungen:

„Die Agitation war äußerst lebhaft. Zwei, drei Versammlungen am selben Tag im selben Ort waren keine Seltenheit. Die Wähler hatten so viel Kandidaten ihr ganzes Leben nicht zu Gesicht bekommen, wie jetzt in einem Monat. Meinen Versammlungen blieben die anderen Kandidaten fern, während der klerikale und der deutschnationale Kandidat meist beieinander zu Gast waren. Sie waren eben auf dieselbe Kundschaft, die Bauern, angewiesen, während sich bei mir die Proletarier versammelten, die Knechte, Holzarbeiter u. s. w., bei denen die anderen Kandidaten nicht viel Hoffnung hatten. Die Versammlungen der beiden Gegner verliefen meist stürmisch, während es bei uns bis auf Stein a. d. Enns, worüber ich noch berichten werde, ruhig und sachlich zuging.“ [37]

Allerdings fanden auch Veranstaltungen unter anderen Vorzeichen statt, etwa in Stein an der Enns. Dort versammelten sich nicht nur Sozialdemokrat:innen, sondern auch zahlreiche Christlichsoziale, die sich schließlich dicht gedrängt vor dem Versammlungsraum gegenüberstanden. Die Rede Dr. Schacherls wurde wiederholt unterbrochen, teilweise über mehrere Minuten hinweg. Schacherl schilderte zudem die Strapazen, die mit der An- und Abreise verbunden waren, insbesondere während der Wintermonate. Als Beispiel führte er zwei Versammlungen in Aussee und Gößl am Grundlsee an einem einzigen Tag an. Diese hätten eine zwölfstündige Eisenbahnfahrt, einen viereinhalbstündigen Fußmarsch durch den Schnee sowie rund vier Stunden Diskussionen umfasst. Demgegenüber habe es bereits als besonderer Luxus gegolten, mit einem Pferdeschlitten abgeholt und zum Veranstaltungsort gebracht zu werden. Trotz dieser Widrigkeiten beschrieb Schacherl die Landagitation als lohnend für die Sozialdemokratie:

„Die überraschend große Anzahl der sozialdemokratischen Stimmen in diesem rein ländlichen Wahlkreis beweist, daß wir dort ins ländliche Proletariat tief eingedrungen sind. Die Bauern blieben auffällig fern, aber auch wo sie erschienen, trat ich rücksichtslos für die Rechte der Dienstboten ein, wie ich überhaupt auch in diesem Landgemeindenbezirk den Klassenstandpunkt scharf und unzweideutig betonte. Wenn ich dadurch manche Bauernstimme verlor, so erhielt unsere Partei dafür die Stimmen von bisher indifferenten oder klerikalen Knechten;“ [38]

Reichsratswahl 1907: Die SDAP gewinnt zwei Landgemeindenwahlkreise in Kärnten

Die erste Reichsratswahl nach Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts im Jahr 1907 verlief aus Sicht der Sozialdemokratie zufriedenstellend [39]. Insgesamt errang sie 87 der 516 Mandate. In Wien erzielte sie 38,3 Prozent der Stimmen und gewann damit zehn der insgesamt 33 Mandate. Ein bemerkenswertes Ergebnis wurde im Kronland Kärnten erzielt, wo die Sozialdemokratie gleich zwei Landgemeindenwahlkreise für sich entscheiden konnte.

Arnold Riese, der als einer der Pioniere der Sozialdemokratie in Kärnten gilt, gewann den Landgemeindenwahlkreis 8 (Villach). Trotz des im Vorfeld ausgerufenen Kampfes um das Villacher Mandat setzte er sich mit deutlichem Vorsprung durch. Von den 5.320 gültig abgegebenen Stimmen entfielen 3.373 auf den sozialdemokratischen Kandidaten. Bei der letzten Reichsratswahl vor dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1911 verteidigte Riese sein Mandat erfolgreich.

Bereits zuvor hatte Riese Geschichte geschrieben: Im Mai 1905 wurde er als erster Sozialdemokrat in den Klagenfurter Gemeinderat gewählt. Er setzte sich in einer Stichwahl im dritten Wahlkörper durch, obwohl das kommunale Wahlrecht weiterhin an die Höhe der direkten Steuerleistung gebunden war. Sein politisches Wirken fand jedoch früh ein Ende. Bereits 1912 verstarb er infolge einer missglückten Blinddarmoperation.

Julius Lukas und Arnold Riese konnten 1907 zwei Landgemeindenwahlkreise in Kärnten für die Sozialdemokratie gewinnen.

Neben Riese gewann 1907 auch Julius Lukas den Landgemeindenwahlkreis 2 (Klagenfurt Land) für die Sozialdemokratie. Der Kärntner Landbote verspottete ihn als vermeintlichen Bauernfreund, der seine Sympathie für den Bauernstand selbst auf Veranstaltungen ohne landwirtschaftliches Publikum zur Schau stellte und den Anwesenden entsprechende Nähe vorgaukelte [40]. In der Ersten Republik amtierte Lukas von Juli bis November 1921 sogar als Vorsitzender des Bundesrates.

Über das Organisieren von ländlichen Dienstboten

Bei der Reichsratswahl des Jahres 1907 erzielte die Sozialdemokrat 17 Prozent der Stimmen. Im Anschluss zeigte sich die SDAP nicht nur mit dem Wahlergebnis insgesamt sondern auch mit der Stimmenanzahl aus den Reihen der ländlichen Dienstboten zufrieden. Daraus leitete sie die Schlussfolgerung ab, dass eine systematische Organisierung dieser Zielgruppe für künftige Wahlauseinandersetzungen zielführend sei.

So gab etwa die steirische Landesparteivertretung Fragebögen aus, um die sozialen, gesundheitlichen und finanziellen Lebensbedingungen der Dienstboten besser einschätzen zu können. Dabei wurden unter anderem das Fehlen jeglicher Krankenversorgung sowie die hohe Unfallgefahr, insbesondere in der Obersteiermark, beklagt. Dennoch wurde der Aufbau einer gewerkschaftlichen Organisation zu diesem Zeitpunkt verworfen. Als Gründe wurden die patriarchalischen Verhältnisse auf dem Land, die geringe Siedlungsdichte in den ländlichen Regionen sowie die kleinstrukturierte Betriebsform der Höfe angeführt.
Ungeachtet dessen wurde an dem Vorhaben festgehalten, eine verschlankte Organisation für landwirtschaftliche Arbeiter:innen zu schaffen, deren Vereinsbeiträge sich an den finanziellen Möglichkeiten der Betroffenen orientieren sollten. Als Gegenleistungen wurden Rechtsauskünfte, Informationsblätter sowie ein Jahrbuch in Aussicht gestellt. Darüber hinaus wurde die Einrichtung einer Krankenunterstützung erwogen, die in individuellen schwerwiegenden Fällen zum Tragen kommen sollte. [41]

Ein Blick nach Transleithanien

Die errungenen Erfolge und die darauf aufbauenden organisatorischen Arbeiten durften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die konstitutionelle Monarchie mit ihren ausgeprägten feudalen Überresten weiterhin bestrebt war, den Einfluss der Sozialdemokratie durch politische, administrative und gesellschaftliche Maßnahmen zu begrenzen. Ein Bericht des ungarischen Sozialdemokraten József Diner-Dénes über die kurze Regierungszeit von Géza Fejérváry und dessen Innenminister József Kristóffy zeigte, dass der Sozialdemokratie dort weder uneingeschränkte Agitations- noch Koalitionsfreiheit gewährt wurde. So wurde den Berg- und Hüttenarbeitern etwa das Recht verweigert, sich kollektiv zu organisieren.

„Nun aber hat der Feudalasiatismus nicht nur mit brutaler Gesetzesverletzung fast alle unsere landwirtschaftlichen Arbeiterorganisationen auseinandergejagt, sondern macht uns auch fast jede Landagitation unmöglich. Es genügt, daß sich einer unserer Genossen in einem Dorfe oder kleinen Landflecken zeigt und er wird sofort verhaftet, geprügelt und ausgewiesen. Die christlichsoziale Agitation wird aber von den Feudalasiaten nicht nur geduldet, sondern geradewegs mit staatlichen Mitteln unterstützt.“ [42][43]

Diner-Dénes gelangte zu dem Schluss, dass diese Entwicklung den Christlichsozialen insbesondere in den ländlichen Regionen beträchtliche Unterstützung verschaffen werde. Aus sozialdemokratischer Sicht stellte zudem die Tatsache ein Problem dar, dass sich zahlreiche bäuerliche Kleinbesitzer radikalen Bauernparteien anschlossen.

Die Vergangenheit findet ihr langsames Ende

Zu einem bemerkenswerten Leitartikel kam es im Jahr 1909 in der katholisch ausgerichteten Salzburger Chronik für Stadt und Land. Dort wurde unter anderem beklagt, dass die ländliche Gesindeordnung aufgeweicht worden sei. Den Sozialdemokrat:innen wurde dabei viel Geschick und noch mehr Glück bei der Organisierung der landwirtschaftlichen Arbeiter:innen attestiert. Aus Sicht des Mediums waren die Tage vorbei, in denen „die Roten“ unbeholfen und von ihrer Aufmachung her sofort erkennbar in die Dörfer eingefallen seien – mittlerweile habe es sogar bereits Broschüren in alpenländischer Mundart gegeben. Die rote Landagitation wurde auffallend rasch an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. [44]

„Gefallen ist die Abgeschlossenheit der bäuerlichen Gemeinden. Fast überall ist der ländlichen Jugend durch Eisenbahnen oder, wo diese fehlen, durch das Fahrrad leicht Gelegenheit geboten, ihre freie Zeit in der Stadt zu verbringen. Der Aufenthalt der Landjugend während der Militärjahre in den Städten, das Eindringen der Industrie auf das flache Land verbreitet städtische Gewohnheiten in der Lebensführung mit allen ihren Uebeln.“ [45]

Tatsächlich spiegelten sich in diesem zeitgenössischen Artikel die tiefgreifenden Umbrüche wider, denen die ländliche Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts ausgesetzt war. Sozialdemokratische Agitatoren bewegten sich dabei in einem Spannungsfeld zwischen überlieferten ländlichen Strukturen und den tiefgreifenden Veränderungen der Moderne. Während traditionelle Herrschaftsverhältnisse, die starke Prägung durch den katholischen Glauben sowie die geografische Abgeschiedenheit vieler Dörfer und Täler das Leben auf dem Land weiterhin bestimmten, schritten Industrialisierung, Eisenbahnausbau und Elektrifizierung unaufhaltsam voran. Insbesondere die Eisenbahn wurde zum Motor eines weitreichenden sozialen, politischen und kulturellen Wandels in den ländlichen Regionen. Neue Beschäftigungsmöglichkeiten im Fahrbetrieb oder in der Instandhaltung der Bahn eröffneten zusätzliche Erwerbsperspektiven und förderten zugleich die Verankerung sozialdemokratischer Ideen in der ländlichen Bevölkerung. [46]

Karl Reinthaler, sozialdemokratisches Urgestein und ehemaliger Bürgermeister von Saalfelden im Salzburger Pinzgau, beschrieb den gesellschaftlichen Wandel in einem Zeitzeugeninterview und erläuterte, welchen maßgeblichen Beitrag der Ausbau der Eisenbahn in ländlichen Regionen dazu geleistet hatte:

„Und in diesem aus der Landwirtschaft stammenden Kreis habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht, dass das die treuesten (Anm.: sozialdemokratischen) Anhänger waren, die nämlich aus dem Nichts als Person, als eine Null in der Landwirtschaft, plötzlich zu einem angesehenen Eisenbahner, zu einem Beamten, geworden sind. Und das hat einen ungeheuren sozialen Aufstieg für diese Menschen bedeutet, und da war eben die sozialdemokratische Bewegung ihre Heimat.“ [47]

Neben der Staatsbahn waren es auch zahlreiche Privatbahnen, die den Bahnbau vorantrieben. Zudem galt das damalige Österreich als Pionier beim Bau von Alpenbahnen; genannt seien etwa die Tauernbahn mit ihrem zweigleisigen Tauerntunnel (Eröffnung 1909) oder die Pyhrnbahn von Linz ins Selzthal (Eröffnung 1905/06). Mit den Bahnarbeitern trat in vielen Dörfern und Kleinstädten eine neue Berufsgruppe auf, die soziale, politische und kulturelle Veränderungen mit sich brachte. Großbaustellen symbolisierten nicht nur den Aufbruch in eine modernere Zeit, sondern auch die Bruchstellen der alten Verhältnisse. [48]

Auch die katholisch ausgerichtete St. Pöltner Zeitung beklagte das Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen auf dem Land. Für diesen Erfolg wurde die allgemeine Unzufriedenheit der kleinen Leute verantwortlich gemacht, insbesondere unter Häuslern, Knechten und Taglöhnern. Zudem würden immer mehr Fabriken auf dem flachen Land entstehen, wo das Eisenbahnnetz zunehmend dichter werde. Darüber hinaus könne der Arbeitgeber gar nicht verhindern, dass seine Arbeiter:innen mit sozialdemokratischen Ideen in Berührung kämen:

„Bald darauf kommt an einen der Arbeiter das Material für die Ortsgruppe einer Gewerkschaft, dazu noch das unparteiisch sein sollende ‚Fachblatt‘, das die vielleicht braven Arbeiter langsam, aber sicher für die Sozialdemokratie vorbereitet. Der Anfang zur sozialistischen Wählergruppe ist gemacht. So geschieht es in Hunderten von Fällen.“ [49]

Darüber hinaus wurde den roten Landagitatoren unterstellt, bei ihren Besuchen besonders gerissen vorzugehen. So werde etwa landesübliche Kleidung getragen und bei der Begrüßung sogar ein „Gruß Gott“ verwendet. Danach würden lediglich Versprechungen gemacht und die parteipolitischen Grundsätze ausgeklammert. Aus Sicht der St. Pöltner Zeitung hätten dagegen nur Schulungen und gezielte Aufklärungskampagnen etwas bewirken können. [50]

Als medial wirkungsvoll erwiesen sich dabei gesammelte Äußerungen und Inhalte in direkten Gegenüberstellungen, die von der gegnerischen Presse penibel dokumentiert wurden. Aussagen auf Veranstaltungen und Parteitagen wurden mit Programmen, Aufsätzen und sonstigen Schriftstücken verglichen, gefundene Widersprüche anschließend nebeneinander publiziert. So wurden etwa öffentlich getätigte Aussagen über die große Bedeutung der Landwirtschaft einer Parteikorrespondenz gegenübergestellt, die diese Einschätzung in Abrede stellte. Das Eintreten für Kleinbauern wurde mit Wortmeldungen auf Parteitagen konterkariert, in denen dieser Zielgruppe nur geringe Bedeutung beigemessen wurde. [51]

Andere Vorschläge, um der roten Landagitation Einhalt zu gebieten, wurden in der christlich-deutschen Wiener Neustädter Zeitung publiziert. Zwar sei das Hinauswerfen der roten Agitatoren in Einzelfällen die wirksamste Methode gewesen, langfristig sollte jedoch eine Organisation der landwirtschaftlichen Arbeiter auf christlicher Grundlage den gewünschten Erfolg bringen. Dafür seien katholische Arbeitervereine bestens geeignet gewesen, da ihre Mitglieder dort religiös und sozial geschult werden könnten. Die religiöse Schulung könne durch entsprechende Kurse und Vorträge erfolgen, auch die Beiziehung des Klerus sei möglich. Bibliotheken, Unterstützungsleistungen im Krankheitsfall, Rechtsschutz sowie gesellige Veranstaltungen sollten das umfangreiche Programmangebot abrunden. Abgerundet wurde der Artikel mit dem eindringlichen Appell, rasch die notwendigen Schritte zu unternehmen, denn die Sozialdemokrat:innen würden „nicht schlafen“. [52]

Tatsächlich verfügte die Sozialdemokratie zu diesem Zeitpunkt bereits über organisierte Strukturen unter den Landarbeiter:innen: Einerseits bestanden Organisationen in Baden bei Wien und in Stainach. Um 1911 schlossen sich beide zu einem Reichsverband zusammen, der sich der sozialdemokratischen Gewerkschaftskommission mit rund 5.000 Mitgliedern anschloss. Vergleichbare Verbände land- und forstwirtschaftlicher Arbeiter fehlten auf christlicher Seite hingegen. [53]

„In beängstigender Weise nimmt die sozialdemokratische Landagitation überhand und – sagen wir es frei heraus – mit Erfolg. In Scharen strömen landwirtschaftliche Arbeiter, Häusler und Kleinbauern in das sozialdemokratische Lager. Der sozialdemokratische Verband der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter Oesterreichs zählt gegenwärtig schon über 12.000 Mitglieder, die sich über alle Kronländer verbreiten. Die Organisation der Häusler und Kleinbauern ist im steten Wachsen. Dies dokumentiert sich daraus schon, daß die sozialdemokratische Parteileitung für diese und zum Zweck weiterer Agitationsbestrebungen eine eigene Zeitung, betitelt ‚Der kleine Landwirt‘ geschaffen hat, die in vielen Tausenden von Exemplaren unter der Landbevölkerung zur Verteilung gebracht wird.“ [54]

Der sozialdemokratische Landarbeiterverband warb mit der bekannten Parole „Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Freizeit!“ und setzte zur Verbreitung dieser Forderung sein eigenes Mitteilungsblatt Der Landarbeiter ein. Das streng konservative Vorarlberger Volksblatt fragte dazu besorgt, was aus der Landwirtschaft werden würde, wenn Landarbeiter:innen nur noch acht Stunden arbeiten würden. [55]

Diese Debatten über die sozialdemokratische Landagitation verdeutlichten damit nicht nur die wachsende Präsenz der Partei im ländlichen Raum, sondern auch die politische Dynamik, die sie vor 1914 entwickelte. Gerade in den Jahren vor dem Krieg hatte die Sozialdemokratie ihre organisatorische Reichweite ausgebaut und neue soziale Milieus erschlossen. Der Erste Weltkrieg setzte dieser Entwicklung jedoch abrupt Grenzen und veränderte die politischen Handlungsspielräume grundlegend.

Kriegsausbruch und Zusammenbruch der Monarchie

Obwohl die Zweite Internationale noch Ende 1912 unter Mitwirkung der österreichischen Sozialdemokratie ein Antikriegsmanifest verabschiedet hatte, setzte sich 1914 in den meisten sozialdemokratischen Parteien Europas die Burgfriedenspolitik durch. Auch in Österreich unterstützte die Parteiführung den Kriegskurs der Regierung, während die Organisation und ihre Aufbauarbeit durch die Kriegsdiktatur, die Militarisierung des Alltags, Repressionen sowie die wirtschaftliche Not erheblich geschwächt wurden.

Unter dem Eindruck des Leids an der Front und der Verschlechterung der Lebensbedingungen im Hinterland erstarkte zwar ab 1915/16 eine innerparteiliche Linke, doch blieb die Sozialdemokratie zunächst auf die Verteidigung ihrer verbliebenen Handlungsspielräume beschränkt. Friedrich Adler, Robert Danneberg, Gabriele Proft und Max Adler gehörten zu jenen Kräften, die den Krieg ablehnten und den Kurs der Parteiführung kritisierten. Gegen Kriegsende verschärften Streiks, Hunger und militärische Erschöpfung die Krise des Habsburgerstaats; im November 1918 wurde schließlich die Republik Deutsch-Österreich ausgerufen.

Titelbild: 1. Mai 1899

Quellen:
[01] Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag von Graz. Landagitation, Genosse Dr. Adler, 6. September 1900, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[02] Vgl. Salzburger Wacht (1900). Zum Grazer Parteitag. Zweiter Verhandlungstag, 14. September 1900, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[03] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag in Graz. Landagitation, 5. September 1900, S. 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[04] Ebd., S. 4.
[05] Ebd., S. 4.
[06] Vgl. Illustrirtes [sic!] Wiener Extrablatt (1900). Parteitag der deutschösterreichischen Socialdemokratie, 5. September 1900, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[07] Vgl. Neues Wiener Journal (1900). Parteitag der deutschösterreichischen Socialdemokratie, 5. September 1900, S. 5 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[08] Ebd., S. 5.
[09] Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag in Graz. Landagitation, 5. September 1900, S. 4f (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[10] Siehe dazu Engels, Friedrich (1894/95). Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, in: Die Neue Zeit, Nr. 10, 13. Jahrgang, I. Band, S. 301.
[11] Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag in Graz. Landagitation, 5. September 1900, S. 5 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[12] Anm.: In den 1970er Jahren zielte Bruno Kreiskys Strategie darauf ab, die absolute Mehrheit der SPÖ durch eine Allianz von Arbeitern und Bauern zu festigen. Um die traditionelle Vorherrschaft der ÖVP in der ländlichen Bevölkerung zu brechen, fokussierte sich die SPÖ auf gezielte Förderungen und Subventionen für Klein- und Bergbauern.
[13] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag von Graz. Landagitation, Genosse Dr. Adler, 6. September 1900, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[14] Vgl. Salzburger Chronik für Stadt und Land (1900). Sozialdemokratie und Bauernschaft, 22. September 1900, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[15] Correspondenz-Blatt für den katholischen Clerus Österreichs (1900). Der Parteitag der deutsch - österreichischen Socialdemokratie und die Bauernfrage, 10. Oktober 1900, S. 9 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[16] Vgl. Kärntner Landbote (1900). Villach. Vereinsversammlung, 27. Oktober 1900, S. 6 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[17] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag in Graz, 6. September 1900, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[18] Arbeiter-Zeitung (1900). Der Parteitag, 7. September 1900, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[19] Neues Wiener Journal (1901). Parteitag der niederösterreichischen Socialdemokratie, 27. März 1901, S. 7 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[20] Vgl. Gleichheit (1902). Der Landesparteitag, 5. April 1902, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[21] Neues Wiener Tagblatt (1902). Bebel und Vollmar, 19. Juli 1902, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[22] Vgl. Salzburger Wacht (1901). Zur Revision des Parteiprogramms, 6. September 1901, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[23] Vgl. Tagespost (1904). Zur Deubler-Feier, 19. Juni 1904, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[24] Vgl. Steiner, Guenther (2018). Die „Einführung“ der Sozialversicherung im Lande Österreich – Sozialversicherung vor und nach dem „Anschluss“, in: Das Recht der Arbeit (DRdA), Heft 374/2018, online abrufbar unter https://www.drda.at/drda/2018/374/16/Die-Einfuehrung-der-Sozialversicherung-im-Lande-Oesterreich--Sozialversicherung-vor-und-nach-dem-Ans.
[25] Arbeiterwille (1904). Aus dem steirischen Landtag, 6. Oktober 1904, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[26] Vgl. Arbeiterwille (1904). Aus dem steirischen Landtag, 14. Oktober 1904, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[27] Vgl. Arbeiterwille (1904). Die Krankenversicherung der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter, 16. Oktober 1904, S. 9 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[28] Vgl. Arbeiterwille (1905). Klerikaler Humbug, 6. Januar 1905, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[29] Vgl. Ruhri, Alois (2006). Das katholische Arbeiterheim in
der Keplerstraße in Graz, in: Historischer Verein für Steiermark (Hg.): Blätter für Heimatkunde 80, S. 144f.
[30] Vgl. Grazer Volksblatt (1905). Notizen, 13. August 1905, S. 11 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[31] Ebd., S. 11
[32] Arbeiterwille (1906). Klerikaler Schwindel, 24. April 1906, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[33] Grazer Volksblatt (1906). Die Bauernschaft und das Pluralsystem, 23. September 1906, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[34] Vgl. Salzburger Chronik (1907). Bauernschaft und Sozialdemokratie, 12. Februar 1907, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[35] Anm.: Die deutschsprachige Bauernschaft in der Steiermark war politisch dreigeteilt und zwar zwischen dem deutschnationalen Alois Posch und dem "Steirischen Bauernverein" (vor allem in Bruck an der Mur, Mürztal), Friedrich Karl Freiherr von Rokitansky und dem "Christlichen Bauernbund" (Enns- und Paltental, Umgebung Graz, Leibnitz) sowie Franz Hagenhofer und dem katholisch-konservativen Bauernverein (Oststeiermark, oberes Murtal). Die beiden liberal-nationalen Bewegungen und die katholisch-konservativen Anhängerschaft waren in etwa gleich stark, wenngleich Erklärungen für diese Trennungen bis heute schwierig sind. Der Bauernbund von Rokitansky stand jedoch ursprünglich der Sozialdemokratie positiv gegenüber, geriet aber in weiterer Folge immer mehr in das deutsch-nationale Lager. Vgl. dazu Bruckmüller, Ernst (2010). Der Bauernstand. Organisationsbildung und Standeskonsolidierung, in: Rumpler, Helmut/Urbanitsch, Peter (Hg.): Die Habsburgermonarchie 1848‒1918, Band IX, Teil 1/2: Von der Stände- zur Klassengesellschaft, S. 807f.
[36] Grazer Volksblatt (1907). Die "Freien Agrarier" und die Sozialdemokratie, 9. Mai 1907, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[37] Vgl. Arbeiterwille (1907). Wahlagitation in einem ländlichen Wahlkreise, 4. August 1907, S. 15 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[38] Ebd., S. 17.
[39] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1907). Siegestag!, 15. Mai 1907, S. 2.
[40] Vgl. Kärntner Landbote (1907). Spittal an der Drau, Sozialdemokraten als Bauernfreunde, 28. September 1907, S. 8 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[41] Arbeiterwille (1907). Die Organisation der ländlichen Dienstboten, 1. Dezember 1907, S. 5f. (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[42] Diner-Dénes, József (1908). Die feudalistische Pluralität, in: Arbeiter-Zeitung, 7. Oktober 1908, S. 6.
[43] Anm.: Der Begriff Feudalasiatismus wurde als politischer Kampfbegriff verwendet. Die Sozialdemokratie benutzte ihn, um die Herrschaft des Großgrundbesitzes, der Aristokratie und der Bürokratie als rückständig und undemokratisch zu charakterisieren. Es war somit ein Ausdruck der politischen Sprache seiner Zeit und keine objektive Zustandsbeschreibung.
[44] Vgl. Salzburger Chronik (1910). Arbeiterjugend, 23. Mai 1910, S. 1. (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[45] Salzburger Chronik (1910). Arbeiterjugend, 23. Mai 1910, S. 1. (A
[46] Vgl. Neunherz, Alexander (2024). Alois Mentasti: Wegbereiter der Sozialdemokratie am Land. Eine politische Biografie, Wien, S. 28.
[47] Aschauer-Smolik, Sabine/Neunherz, Alexander (2004). Karl Reinthaler. Dagegenhalten. Eine Lebensgeschichte zwischen Brüchen und Kontinuitäten in der Provinz, Studienverlag, Innsbruck, S. 39.
[48] Vgl. Greussing, Kurt (1989). Die Roten am Land. Arbeitsleben und Arbeiterbewegung im westlichen Österreich, Museum industrielle Arbeitswelt, Steyr, S. 18 ff.
[49] St. Pöltner Zeitung (1911). Eine sozialdemokratische Agitation am Lande, 24. August 1911, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[50] Ebd., S. 2.
[51] Vgl. etwa das Kärntner Tagblatt (1911). Die Sozialdemokratie als "gute Freundin der Landwirtschaft", 1. Oktober 1911, S. 12 oder den Allgemeinen Tiroler Anzeiger (1911). Ein sozialdemokratischer Generalsturm aufs Land, 28. Oktober 1911, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[52] Vgl. Wiener Neustädter Zeitung (1911). Bote aus Stadt u. Land. Katholische Arbeitervereine am flachen Lande, 2. September 1911, S. 6 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[53] Vgl. Kärntner Tagblatt (1911). Sozialdemokratie und landwirtschaftliche Arbeiterschaft, 6. September 1911, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[54] Neuigkeits-Welt-Blatt (1912). Zur Bekämpfung der sozialdemokratischen Landagitation, 6. Juli 1912, S. 3. (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[55] Vgl. Vorarlberger Volksblatt (1913). Rote Agrarpolitik, 3. Oktober 1913, S. 9 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).