Sozialdemokratische Landagitation: Der Kampf um den ländlichen Raum

Vorbemerkungen

Seit Jahren lässt sich in Österreich beobachten, dass die Freiheitliche Partei (FPÖ) ihre Hochburgen in ländlichen Gebieten, kleineren Stadtgemeinden und Vororten hat, während die SPÖ (nach wie vor) in großen Städten Erfolge erzielt. Dieser Trend verstärkte sich bei der letzten Nationalratswahl im Jahr 2024: Wäre nur in Großstädten gewählt worden, hätten die Sozialdemokrat:innen die Wahlauseinandersetzung klar gewonnen. Doch am Land war die SPÖ mit 17 Prozent weit abgeschlagen, während die FPÖ dort ein Drittel der Wähler:innenstimmen auf sich vereinen konnte.

Die Beziehung der Sozialdemokratie zur Peripherie war stets ein eigenes und oft vernachlässigtes Kapitel. Die Arbeiter:innenbewegung war von Beginn an eng mit den urbanen Zentren des Landes verknüpft, während ländliche Räume außen vor blieben. Besonders schwierig gestalteten sich die ersten Annäherungsversuche gegen Ende des 19. Jahrhunderts: Die Landbevölkerung war konservativer geprägt und hatte kaum Berührungspunkte mit der Industriearbeit oder den entstehenden Gewerkschaften. Das Vorgehen war dennoch alternativlos, um entscheidende Mehrheiten zu gewinnen.

In ihrer Frühphase blieb die Sozialdemokratie jedoch strukturell auf die Zentralräume und Großstädte beschränkt. Das Rote Wien, als Gegenentwurf zur christlichsozialen und deutschnationalen Regierungspolitik, mag symbolisch dafürstehen. Unter den beiden Bürgermeistern Jakob Reumann und Karl Seitz wurde die Bundeshauptstadt jedenfalls zu einem Ausstrahlungszentrum sozialdemokratischer Erfolge und Grundsätze [1].

Die sozialdemokratische Agitation außerhalb der städtischen Zentren war hingegen weniger erfolgsverwöhnt. Von Anfang an galt es als fraglich, ob ländliche Arbeitskräfte den Vorstellungen und der Führung einer Partei folgen würden, die in einem ganz anderen, urban-industriellen Umfeld verwurzelt war. Dennoch galt das Vorhaben als alternativlos, da man damit beabsichtigte, “zumindest Teile der ländlichen Bevölkerung der Vertretung durch das christlichsoziale Lager zu entziehen” [2].

Geschichte der Arbeiter:innenbewegung und Peripherie: Entwicklung des Forschungsfeldes

Helmut Konrad konstatierte 1983, dass die Geschichte der Arbeiter:innenbewegung mit wenigen Ausnahmen aus einer Wiener Perspektive erzählt wurde. Diese Schwerpunktsetzung war strukturell bedingt: In Wien wurden die maßgeblichen Entscheidungen und Beschlüsse gefasst, dort war der Führungskader der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) angesiedelt und dort war die Arbeiter:innenbewegung in ihrer gesellschaftlichen Präsenz besonders sichtbar. [3]

Josef Kaut, ehemaliger Landesrat und Präsident der Salzburger Festspiele, formulierte ähnliche Gedanken bereits Anfang der 1960er Jahre:

„Die vorhandenen Geschichtswerke über den österreichischen Sozialismus vernachlässigen die Vorgänge in den Alpenländern. In Ludwig Brügels fünf-bändiger ‚Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie‘ finden sich nur wenige Zeilen über Salzburg, die offenbar auf zufällige Funde in Polizeiakten zurückgehen.“ [4]

Dies ist wenig verwunderlich, da die Organisationslogik der Sozialdemokratie zentralistisch geprägt war: Politisch entwickelte Zentren setzten die Maßstäbe, denen andere Regionen zeitlich versetzt zu folgen hatten. Helmut Konrad wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Verhältnis von Metropole und Provinz primär als historische Zeitverschiebung gesehen wurde, weshalb regionalen Umwälzungsprozessen kein eigenständiger Stellenwert zugeschrieben wurde. [5]

Wer sich heute für sozialdemokratische Regionalgeschichte interessiert, wird auf zahlreiche Publikationen, Schriften und Forschungsergebnisse stoßen. Pionierarbeit leisteten etwa das Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung in Oberösterreich oder der Karl-Steinocher-Fonds in Salzburg. Besonders erwähnenswert ist die Ausstellung “Die Roten am Land” im Museum Arbeitswelt Steyr Ende der 1980er Jahre.

Historiker:innen wie Helmut Konrad, Gerhard Botz und Ingrid Bauer sind nur ein paar wenige Namen, die sich um diesen Aspekt der Arbeiter:innengeschichte verdient gemacht haben. Dazu kommen sozialdemokratische Politiker:innen wie beispielsweise Michael Schacherl (30 Jahre steirische Arbeiterbewegung, 1920), Paula Wallisch (Ein Held stirbt, 1935) oder Josef Kaut (Der steinige Weg, 1961), die mit ihren frühen Veröffentlichungen maßgebend dazu beitrugen, die Geschichte der Arbeiter:innenbewegung mit der Peripherie zu verknüpfen.

Die Sozialdemokratie am Ende des 19. Jahrhunderts: Zeitgeschichtliche und raumstrukturelle Einordnung

Die Anfänge der österreichischen Arbeiter:innenbewegung waren geprägt von existenzieller Not und Repression. Hungerlöhne und Krankheit, unbegrenzte Arbeitszeiten und frühe Invalidität bestimmten den Alltag der Arbeiterschaft, die vom kulturellen Leben (Bildungszugang, Vereinskultur, repräsentatives Stadtleben) ebenso ausgeschlossen war wie von staatsbürgerlichen Rechten (Wahlrecht, Mitbestimmungsmöglichkeiten). Besonders in der frühen Industrialisierung, die sich auf die Textilindustrie konzentrierte, wurden Frauen und Kinder in großem Ausmaß ausgebeutet.

Die fehlende Organisationserfahrung und das geringe Bewusstsein für Solidarität verstärkten die Ohnmacht der Arbeiter:innenklasse. Gleichzeitig verhinderten staatliche Kontroll- und Unterdrückungsmechanismen jede nachhaltige Selbstorganisation. Das Metternich-System überwachte politische Regungen mit einem dichten Netz aus Polizei und Spitzeln. Erst die spätere Einigung der Bewegung in Hainfeld 1888/89 markierte den Übergang zu einer handlungsfähigen politischen Kraft im “österreichischen” Teil der Monarchie.

Die frühen Organisationsstrukturen der Sozialdemokratie konzentrierten sich vor allem in industriellen Ballungsräumen und größeren Städten, neben Wien beispielsweise in Graz (Maschinenbau und Eisenindustrie), Linz (Stahlwerke und Maschinenfabriken) und Wiener Neustadt (Textil- und Lokomotivbau). Diese urbanen Zentren verfügten über die notwendige Infrastruktur und Dichte, um Ideen zu verbreiten und kollektives Handeln zu organisieren.

Zugleich entstanden Stützpunkte in kleineren Industriestädten und regionalen Industrieclustern, etwa in der Textil-, Bergbau- oder Metallindustrie. Die frühe Sozialdemokratie war daher nicht ausschließlich an Großstädte gebunden, sondern orientierte sich vor allem an Industrie- und Verkehrszentren, in denen sich Arbeitskräfte, wirtschaftliche Dynamik und politische Organisierbarkeit verdichteten.

Daraus folgte, dass die ländlichen Gebiete abseits dieser Zentren für die Sozialdemokratie als schwieriges Terrain galten, die politisch von konservativen, klerikalen oder agrarisch-nationalen Milieus dominiert wurden. Der ländliche Raum stellte jedoch nicht nur wegen der zunächst geringen Organisationsdichte eine besondere Herausforderung dar, sondern wurde auch in der zeitgenössischen Wahrnehmung sozialdemokratischer Publizistik als kulturelle Antithese zum städtischen empfunden (Fortschritt versus Traditionalismus). Deutlich wird dies auch anhand eines Textes von Franz Jonas, den der frühere Bundespräsident noch in seiner Zeit als Wiener Bürgermeister verfasste. Darin hielt er fest:

“Die ländlichen Gebiete waren in der Geschichte recht selten ein Nährboden für neue, mitreißende, fortschrittliche Ideen. […] Zu allen Zeiten sind die Städte die Angelpunkte umwälzender Ereignisse und revolutionärer Entwicklungen gewesen. Aus begreiflichen Gründen: […] weil die Masse der Stadtbewohner – besonders nach dem Aufkommen von Manufaktur und Industrie – als Recht- und Besitzlose, als ‚Proletarier‘, für alle auf die Verbesserung ihrer hoffnungslosen Lage zielenden Ideen einen guten Nährboden darstellten. Deshalb ist auch der Sozialismus ursprünglich eine Bewegung des Industrieproletariats, der besitzlosen Stadtbewohner, gewesen. Allerdings erschlossen sich seinen Zielen bald auch die in gleicher Lage lebenden Pächter- und Kleinbauernschichten. Heute strahlt seine Anziehungskraft auf alle Bevölkerungsschichten aus, die von ihrer Arbeit leben.” [6]

Begrifflichkeit und Abgrenzung zur irischen Landagitation (Land War)

Der Begriff der Landagitation war um 1900 ein zeitgenössischer Ausdruck, der nicht primär negativ konnotiert war, wie es heute möglicherweise der Fall ist. Parteiliche Agitation bezeichnete demnach in erster Linie politische Aufklärungsarbeit sowie die gezielte Mobilisierung bestimmter Wähler:innengruppen. Für die Sozialdemokratie war darüber hinaus die Verbreitung ihrer politischen Ideen im ländlichen Raum von zentraler Bedeutung.

In der zeitgenössischen Presse verstand man unter Landagitation vor allem zwei sehr unterschiedliche Phänomene: die sozialdemokratischen Mobilisierungsbemühungen in ländlichen Regionen und die sogenannte “irische Landagitation”.

Das irische Agrarsystem war nach der Großen Hungersnot (1845 bis 1849) aus dem Gleichgewicht geraten. Der Landbesitz konzentrierte sich auf eine kleine Gruppe von Großgrundbesitzern, während die meisten Menschen auf dem Land als Pächter lebten. Viele der Eigentümer wohnten nicht auf ihren Gütern oder hielten sich nicht einmal in Irlands auf, wodurch die soziale und wirtschaftliche Kluft weiter anwuchs.

Ein besonders brisantes Thema waren die Zwangsräumungen. Zwar nahm ihre Zahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ab, dennoch blieb die rechtliche und wirtschaftliche Unsicherheit der Pächter bestehen. Räumungen erhöhten die soziale Unsicherheit und trieben einen Teil der Landbevölkerung in die Emigration. Diese Unsicherheit führte zu Forderungen, die als die “Three Fs” bekannt wurden: faire Mieten (fair rents), Sicherheit des Besitzes (fixity of tenure) und das Recht, die Pacht frei verkaufen zu können (free sale).

Irish Emigration Museum

Vor diesem Hintergrund entstand ab 1879 ein neues politisches Bündnis aus revolutionären Nationalisten, parlamentarischen Vertretern und Agrarreformern – die Landagitation (Land War) nahm seinen Anfang. Im gleichen Jahr wurde die Irish National Land League gegründet, die zur zentralen Organisation dieser Bewegung wurde. Sie mobilisierte weite Teile der Landbevölkerung, setzte auf Massenversammlungen und auf einen kollektiven Widerstand gegen Räumungen.

Die Landagitation war eine bäuerliche Bewegung mit starkem Rückhalt in der katholischen Landbevölkerung und unter nationalistischer Führung. Die Bewegung führte zu spürbaren agrarischen Spannungen und setzte häufig auf kollektiven und außergerichtlichen Druck. Zugleich beschleunigte der Land War staatliche Reformen: Ab den frühen 1880er-Jahren griff die Gesetzgebung nach und nach zentrale Forderungen der Pächter auf.

Sozialdemokratische Landagitation – ein erster Annäherungsversuch

Die Wiener Landwirtschaftliche Zeitung begann am 22. August 1891 in ihrem Leitartikel über das Verhältnis der Sozialdemokratie zum ländlichen Raum mit folgender Feststellung:

“Noch vor wenigen Jahren hätte wohl Jedermann geglaubt, daß der Zeitpunkt, in welchem die Socialdemokratie und die Landwirtschaft zu einander in engere Beziehungen gebracht werden könnten, ein sehr ferner sei. Heute ist er bereits da!” [7]

Allerdings räumte der Verfasser den Bemühungen der Sozialdemokratie auf dem Lande im weiteren Verlauf des Textes nur geringe Chancen ein, da sich die ländliche Arbeiter:innenschaft in ihrer Lebenswelt, ihrem Habitus und ihrer politischen Sozialisation deutlich von den urban-industriellen Milieus unterschied. Dennoch machte der Begriff der Landagitation, als das kämpferische und propagandistisch zugespitzte politische Werben und Aufklären der ländlichen Bevölkerung, die Runde und wurde in den kommenden Jahrzehnten zusehends als real-politische Aufgabe innerhalb der Sozialdemokratie anerkannt [8].

Zu Beginn des Jahres 1891 sorgte vor allem die deutsche Sozialdemokratie (SPD) dahingehend für Aufmerksamkeit, indem sie programmatisch ankündigte, die sozialistischen Ideen bis in die Dörfer hinaus tragen zu wollen. Der im Oktober 1890 in Halle abgehaltene Parteitag hatte dazu die Parole “Hinaus aufs Land!” ausgegeben. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie (bekannt als “Sozialistengesetz”) wenige Tage davor offiziell aufgehoben wurde.

Wilhelm Liebknecht, einer der SPD-Gründerväter und Vater von Karl Liebknecht, verwies beim Parteitag auf die bevorstehende Landagitation mit dem Hinweis, dass die deutsche Sozialdemokratie bereits früh zum Thema “Grund und Boden” Stellung bezogen hatte: “Wenn wir die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel fordern, so liegt darin bereits, daß wir Grund und Boden zu Gemeingut machen wollen [9].” Reichstagsabgeordneter Hermann Molkenbuhr ergänzte aus organisatorischer Sicht, dass es für die weiteren Schritte “sachkundige Schriften für die Agitatoren” benötige [10].

Der SPD-Parteitag sollte auch endlich einen geordneten Aufbruch möglich machen, da die Bemühungen davor eher planlos erschienen. So berichtete etwa die Vorarlberger Landes-Zeitung im April 1889, die sozialdemokratische Landagitation habe im Deutschen Kaiserreich bisher noch nicht in geordneter Form begonnen, wenngleich aus mehreren deutschen Bezirken gemeldet wurde, dass Agitatoren zumindest durchs Land reisen würden, um ihre Ideen auch in ländlichen Regionen zu verbreiten. [11]

Die Bemühungen der SPD blieben auch bei der österreichischen Genoss:innen nicht unbemerkt, allerdings wurde hier erst mit einiger Verzögerung darauf reagiert. So fand etwa die Landagitation in den Anfangsjahren nur geringe Beachtung – erst 1900 wurden am Parteitag in Graz erste Grundsätze verabschiedet. [12]

Die schwierigen Ausgangsbedingungen am Beispiel von Salzburg

Im Juli 1909 feierte die Salzburger Wacht, das sozialdemokratische Zeitungsorgan für das Kronland Salzburg, ihr zehnjähriges Jubiläum. Dabei wurde betont, dass es sich eigentlich um ein Nebenereignis handeln würde, wenn man nicht den Boden in Betracht zöge, auf dem dies vonstattenging. Aus Sicht der handelnden Funktionäre wurden die Anstrengungen der ersten zehn Jahre so zu einer “geschichtlichen Tat, derer wir uns mit Recht freuen können” [13].

Was war damit gemeint? Salzburg war zu dieser Zeit neben Dalmatien das industrieärmste Land der Monarchie, lediglich die Stadt Salzburg und Hallein kamen als urbane Zentren politisch-kulturellen Lebens in Betracht. Das restliche Kronland war tief geprägt von landwirtschaftlichen Einflüssen. “Auf einem so ungünstigen Boden, den vierzig Jahre industrieller Entwicklung nicht berührten, konnte sich der Gedanke des revolutionären Proletariats nur unsäglich schwer entwickeln” [14].

In den frühen 1880er-Jahren entstanden zwar erste Vereine der Arbeiter:innenbewegung, doch sie blieben mitgliederschwach. Die einheimische Arbeiterschaft stand der Bewegung weitgehend distanziert gegenüber. Im Jahr 1889 vereinten Bildungs-, Fach- und Sängervereine zusammen kaum mehr als 100 Mitglieder.  

Im weiteren Verlauf entwickelten sich aber organisatorische Anknüpfungspunkte, um die Landbevölkerung für die Sozialdemokratie gewinnen zu können. In den frühen 1890er Jahren wurden fünf Organisationsbezirke gegründet, die jeweils Arbeiterbildungsvereine in ihrer Mitte hatten. Neben der Stadt Salzburg waren dies Thalgau, Hallein, Bischofshofen und Saalfelden. Noch vor der Jahrhundertwende konnten die Parteistrukturen so gefestigt und auf sechs Bezirksorganisationen erweitert werden. [15]

Als wichtiger Katalysator fungierte die überschaubare Salzburger Bergbauindustrie, wie Josef Kaut in seinem Buch Der steinige Weg beschrieb:

“Überall dort, wo eine größere Anzahl von Arbeitern durch Industrie oder Bergbau lebte, sind die Organisationen früher entstanden, als in den anderen Orten. Zentren der Entwicklung waren Lend, ferner Badgastein, wo der Goldbergbau noch bestand, Mühlbach und Dienten, wo die Bergarbeiter des Kupferbergbaues sich konzentrierten. […] In Lend bestand eine alte Goldwäscherei und Schmelzhütte, die erst 1862 aufgelöst und in deren Anlagen 1887 eine Asbestfabrik errichtet wurde, die auf dem Asbestvorkommen in den Tauern basierte.” [16]

Daneben war es vor allem dem Ausbau des Eisenbahnnetzes zu verdanken, dass sich in ländlichen Regionen gesellschaftspolitische Veränderungen langsam aber stetig verfestigten. Während das österreichische Eisenbahnnetz 1867 lediglich 4.140 Kilometer umfasste, erreichte das Staatsbahnnetz bis Ende 1905 bereits eine Länge von 12.679 Kilometern. Dazu kam die technische Herausforderung, dass für das Streckennetz auch Lokomotiven entwickelt werden mussten, die neben dem Flachland auch für das Gebirge tauglich waren. [17]

In Salzburg steht Saalfelden am Steinernen Meer exemplarisch dafür. Die frühen sozialdemokratischen Erfolge waren auf die Bedeutung der Gemeinde als Eisenbahnerstandort zurückzuführen. Die dort anfallenden Hilfsdienste, beispielsweise im Fahrdienst, im Heizhaus oder in der Bahnerhaltung, wurden im Wesentlichen aus der bäuerlichen Bevölkerung bestritten. Ein Großteil der untergeordneten Bediensteten kam aus dem Agrarbereich. Dazu der frühere SPÖ-Bürgermeister Karl Reinthaler, der 1936 nach Saalfelden kam:

“Und in diesem aus der Landwirtschaft stammenden Kreis habe ich immer wieder die Beobachtung gemacht, dass das die treuesten Anhänger waren, die nämlich aus dem Nichts als Person, als eine Null in der Landwirtschaft, plötzlich zu einem angesehenen Eisenbahner, zu einem Beamten, geworden sind. Und das hat einen ungeheuren sozialen Aufstieg für diese Menschen bedeutet, und da war eben die sozialdemokratische Bewegung ihre Heimat.” [18]

Unverzichtbar für die sozialdemokratische Landagitation waren insbesondere die ersten Vertrauensmänner (heute Funktionäre) der Partei, die vielfach unter Anfeindungen, Entbehrungen und beruflichen Nachteilen zu leiden hatten. Manche von ihnen gelten heute als Pioniere der Bewegung, andere sind längst in Vergessenheit geraten. Exemplarisch sei hier Jakob Viehauser genannt, der in der kleinen Pinzgauer Gemeinde Dienten am Hochkönig bereits 1903 das Amt des Bürgermeisters (damals Gemeindevorsteher) erringen konnte. Sein früher Erfolg machte ihn rasch zur Zielscheibe politischer Gegner:innen, die in den Folgejahren nichts unversucht ließen, um gegen den Sozialdemokraten zu agitieren. Der rote Jakob, wie er genannt wurde, blieb dennoch bis 1913 im Amt und übernahm später nochmals das Bürgermeisteramt (1926–1928).

Feindseligkeiten gab es auch in anderen Teilen Salzburgs zur Genüge. Als etwa im Jahr 1909 eine sozialdemokratische Versammlung in Werfen abgehalten wurde, kam es zu einer wilden Schlägerei, als Landwirte “mit geschwungenen Bierkrügen” die Veranstaltung zu sprengen versuchten. Trotz solcher Vorfälle entstand in dieser Zeit in Salzburg ein beinahe flächendeckendes Netz an sozialdemokratischen Organisationen – nur im Oberpinzgau und im Lungau blieben, wie Quellen aus den Jahren 1910 bis 1911 zeigen, noch größere Lücken bestehen. Zwischen Golling und Bischofshofen zog sich zudem ein weiterer weißer Fleck, der sich bis Radstadt fortsetzte. Selbst in diesen parteipolitisch noch unorganisierten Gebieten fanden sich jedoch bereits vereinzelte Abonnent:innen der Salzburger Wacht, dem offiziellen Parteiorgan der Salzburger Sozialdemokratie. [19]

Der Kampf um ein (Gemeinde-)Wahlrecht

Die Sozialdemokratie kämpfte viele Jahre lang entschieden für ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht. Zensuswahlrecht und das spätere Kurienwahlrecht führten dazu, dass Eliten stark überrepräsentiert waren, während Arbeiter praktisch ausgeschlossen blieben. Da der parlamentarische Weg blockiert war, waren Großdemonstrationen und die politische Mobilisierung der Arbeiterschaft die wirkungsvollsten Instrumente. Ein erster Durchbruch gelang mit der Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Männerwahlrechts im Jahr 1907. Frauen blieben aber noch bis 1918 vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Das Wahlrecht spielte auch in der Frage der Landagitation eine entscheidende Rolle – konkret betraf dies das Reichsgemeindegesetz von 1862. Die Ausgestaltung des Gemeindewahlrechts wurde demnach den jeweiligen Landesgemeindewahlordnungen überlassen, mit einer Ausnahme: Diese bestand in der Verpflichtung zur “Sicherung der Interessen der höher Besteuerten”.

Das Gemeindewahlrecht war an eine ökonomische Qualifikation gebunden: Wahlberechtigt waren ausschließlich österreichische Staatsbürger, die in der jeweiligen Gemeinde auf Grundlage von Realbesitz, Gewerbebetrieb oder sonstigem Einkommen direkte Steuern entrichteten. Eine Differenzierung nach der Herkunft des Vermögens erfolgte nicht. Unabhängig von einer tatsächlichen Steuerleistung wurde das Wahlrecht bestimmten gesellschaftlichen Gruppen kraft Funktion oder Status gewährt – darunter Geistliche, die in der Ortspastoral tätig waren, Personen mit akademischem Grad, staatlich angestellte Lehrer sowie Ehrenbürger der Gemeinde. [20]

Die Wahlverfahren gliederten sich für gewöhnlich in drei Wahlkörper, die nach der Steuerleistung der Wähler differenziert waren. In Ausnahmefällen wie etwa bei einer geringen Wählerzahl oder bei marginalen Unterschieden in der Steuerbelastung war auch die Bildung von nur zwei Wahlkörpern zulässig. Ein Leserbrief aus dem Weinviertel im sozialdemokratischen Volksboten schilderte Anfang 1900 die realen Auswirkungen dieses Wahlverfahrens:

“Unser Ort hat etwas über 200 Nummer. Schon aus der Eintheilung der drei Wahlkörper ersehen Sie, daß es nur an den Kleinbauern selbst liegt, ihre Macht in der Gemeinde zu benützen, wenn sie es wollen oder wenn sie dies begreifen. Der erste Wahlkörper besteht aus 13 ‚größeren‘ Bauern, einem Großgrundbesitzer und dem Pfarrer. Im zweiten Wahlkörper finden Sie schon zum größten Theile kleinere Besitzer und der dritte Wahlkörper umfaßt den weitaus größten Theil der 200 Nummern. Merkwürdigerweise wird in den meisten Orten der Bürgermeister aus dem ersten Wahlkörper genommen und damit schon der erste Fehler gemacht. Seine Handlungen entsprechen auch in der Regel den Vortheilen der Wähler des ersten Wahlkörpers.” [21]

Im betroffenen Ort waren die Kleinbauern vom erwähnten Großgrundbesitzer hinsichtlich des Waldholzes abhängig, kommunale Wälder gab es dort keine. Eine Abhängigkeit, die sich bis in die Gemeindepolitik zog. Dennoch war sich der Verfasser sicher, dass der Boden für die Sozialdemokratie hergerichtet sei – die Kleinbauern vor Ort stellten aus seiner Sicht eine geeignete Zielgruppe für die Landagitation dar. Allerdings sollte es noch 23 Jahre dauern, bis die sozialdemokratische Vereinigung der Kleinbauern, Weinbautreibenden und Kleinpächter gegründet werden sollte.

Ein Blick über die Grenzen: Diskussionen und erste Lektionen

Generell sollte noch einige Zeit vergehen, bis die österreichische Sozialdemokratie die Landagitation als realpolitische Aufgabe anerkannte. Zunächst überwog eine abwartende Haltung, zeitgleich wurden die Entwicklungen im Ausland aufmerksam verfolgt und analysiert.

Beim Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands im November 1892 waren Victor Adler, Schlüsselfigur und Vorsitzender der SDAP, sowie Julius Popp, der Ehemann von Adelheid Popp, in Berlin anwesend. Sie konnten zahlreiche Eindrücke – auch im Hinblick auf die Landagitation – nach Wien mitnehmen. Im Bericht des deutschen Parteivorstandes wurde grundsätzlich kritisch festgestellt, dass es an geeigneten Agitatoren mangelte: “Berlin selbst ist so arm an Agitatoren, daß es nöthig wäre, Kräfte aus der Provinz heranzuziehen” [22].

Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass auch Klagen über die unzureichende Landagitation formuliert wurden. Der zentrale Vorwurf lautete dabei, dass insgesamt zu wenig unternommen werde. Zugleich räumte man ein, dass es keineswegs einfach sei, „den richtigen Ton zu treffen“. Bemerkenswert früh setzte sich zudem die Erkenntnis durch, dass die Provinzen keinen homogenen Raum darstellten und daher unterschiedliche agitatorische Ansätze erforderten – Ostpreußen war eben nicht das Rheinland oder Westfalen. Darüber hinaus bestand Einigkeit darüber, dass die bestehenden Verhältnisse nicht kurzfristig zu verändern seien:

„Solange der Sozialismus nur von den Theoretikern, den Gelehrten predigt wurde, war es keine Volksbewegung. Erst als aus der Masse hinaus die nothwendigen Agitationskräfte herauswuchsen, wurde es anders. So wird es auch mit der Landagitation stehen. Erst wenn aus dem Landproletariat selbst die Agitationskräfte herausgewachsen sind, wird unsere Agitation auch auf dem Lande Erfolg haben, während jetzt noch ihre Aussichten gering sind.“ [23]

Im August des folgenden Jahres fand in Zürich der Internationale Kongress der II. Internationale, kurz Sozialistenkongress, statt. Rund 440 Delegierte aus aller Welt nahmen daran teil. Neben einer vielbeachteten Resolution zum Achtstundentag wurde auch eine zur Agrarfrage verabschiedet. Darin wurde festgehalten, dass der Kongress es als eine der dringendsten Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie betrachte, neben den Industriearbeitern auch die landwirtschaftlichen Arbeiter zu organisieren und in die Parteistrukturen einzubinden. Weiter hieß es:

“Der Kongreß beschließt, daß alle Nationalitäten dem nächsten Kongreß einen Bericht vorlegen sollen über die Fortschritte der Landagitation und über die agrarischen Verhältnisse in den betreffenden Ländern. Die Berichte sollen besonders berühren, welche Stellung, welche Mittel und welche Methode der Agitation die Sozialisten am geeignetsten halten für die Verhältnisse ihrer Länder, für das Proletariat, die Kleineigenthümer, die Pächter u. s. w.” [24]

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregte die deutsche Reichstagswahl im Juni 1893, bei der die SPD in ländlichen Regionen Stimmengewinne erzielte. Mit 23,3 Prozent der Stimmen und einem Zuwachs von 3,6 Prozentpunkten baute sie ihre Position als stärkste Partei weiter aus und zog mit 44 Abgeordneten in den Reichstag ein. Ebenfalls nicht unbemerkt blieb, dass in Frankreich sozialistische Gemeinderäte auch von Landwirten gewählt wurden.

Bereits 1892 verabschiedeten die französischen Sozialisten auf einem Parteitag in Marseille agrarpolitische Grundsätze, die später in einer Auflage von 100.000 Exemplaren gezielt in ländlichen Regionen verbreitet wurden. Diese forderten Reformen zugunsten der Tagelöhner, Pächter und Kleinbauern. Jules Guesde, Mitbegründer der Französischen Arbeiterpartei (POF), betonte in diesem Zusammenhang, dass selbst dann, wenn es gelänge, „die gesammte Arbeiterschaft der Städte um ihre Fahne zu scharen, doch nicht zur politischen Macht durchdringen könne, wenn sie sich nicht der Mehrheit der ländlichen Wähler versichere“ [25].

Zwei Jahre später wurden auf dieser Grundlage auf dem Parteitag in Nantes weitere Beschlüsse gefasst, die über rein landwirtschaftliche Fragen hinausgingen und auch allgemeinere Aspekte des ländlichen Lebens in den Blick nahmen. So forderte man unter anderem „unentgeltliche ärztliche Hilfe in jedem Kanton und Schaffung von öffentlichen Apotheken behufs Verabreichung von Medikamenten zum Selbstkostenpreis“ [26].

Mit den Entwicklungen in Frankreich setzte sich Friedrich Engels noch kurz vor seinem Ableben näher auseinander. Dabei merkte er an, dass dort eine gesellschaftliche Umwälzung ohne Einbindung des Kleinbauerntums in der Tat nur schwer denkbar sei. Die französischen Sozialisten verfolgten allerdings einen fehlerhaften strategischen Kurs: Statt die strukturellen Bedingungen grundlegend zu verändern, wollten sie die Kleinbauern durch vage Zusicherungen möglichst rasch für die nächste Wahl gewinnen.

“Es ist aber nicht unser Interesse, den Bauer von heute auf morgen zu gewinnen, damit er uns, wenn wir das Versprechen nicht halten können, von morgen auf übermorgen wieder abfällt. Wir können den Bauer, der uns zumuthet, ihm sein Parzelleneigenthum zu verewigen, nicht als Parteigenossen brauchen, ebensowenig wie den kleinen Handwerksmeister, der sich als Meister verewigen will. Diese Leute gehören zu den Antisemiten. Mögen sie zu diesen gehn, sich von diesen die Rettung ihres kleinen Betriebs versprechen lassen; […] Hätten die Franzosen, wie wir, eine lärmende antisemitische Demagogie, sie hätten den Fehler von Nantes schwerlich gemacht.” [27]

Mit den “Antisemiten” spielte Engels auf die Anhänger der aufkommenden antisemitischen Bewegung in Deutschland Ende des 19. Jahrhunderts an, mit Vertretern wie Otto Böckel (“Hessischer Bauernkönig”) und Hermann Ahlwardt (“Rektor aller Deutschen”), die erfolgreich in Agrarprovinzen agitierten. Ihre populistischen Parolen richteten sich unter anderem an verarmte Kleinbauern, Handwerker und ländliche Unterschichten.

Engels’ weitere Kritik am französischen Agrarprogramm richtet sich auf dessen strategische Inkonsistenz: Die politischen Versprechen standen im Widerspruch zur eigenen Einschätzung vom historisch unvermeidlichen Untergang der bäuerlichen Kleinbetriebe. Dieser sei zwar unvermeidbar, allerdings hätten die Genoss:innen kein Interesse daran, diesen noch zusätzlich zu beschleunigen.

“Und zweitens ist es ebenso handgreiflich, daß wenn wir im Besitz der Staatsmacht sind, wir nicht daran denken können, die Kleinbauern gewaltsam zu expropriieren (einerlei ob mit oder ohne Entschädigung), wie wir dies mit den Großgrundbesitzern zu thun genöthigt sind. Unsre Aufgabe gegenüber dem Kleinbauer besteht zunächst darin, seinen Privatbetrieb und Privatbesitz in einen genossenschaftlichen überzuleiten, nicht mit Gewalt, sondern durch Beispiel und Darbietung von gesellschaftlicher Hilfe zu diesem Zweck. […]” [28]

Praktische Herausforderungen und Frankfurter Debatten

Trotz kleinerer Erfolge blieb die Agitation im ländlichen Raum für die Sozialdemokratie weiterhin ein schwieriges Betätigungsfeld, wie auch Berichte der Delegierten auf dem zweiten Parteitag der SPD in Bayern im September 1894 zeigten. Eine Auswahl: Ortsansässige Genossinnen und Genossen verfügten oftmals nur über „schwache materielle Mittel“, zudem fehlte „ein wöchentlich erscheinendes Blatt unter spezieller Berücksichtigung der Interessen der ländlichen Bevölkerung“. Auch brachten örtliche Vertrauensmänner nicht immer jene Qualitäten mit, die man sich für eine wirksame Landagitation erhoffte. Darüber hinaus wurde angeregt, „mit Rücksicht auf die Arbeit der Bauern im Sommer“ die Werbemaßnahmen stärker auf die Wintermonate zu verlegen. Versammlungen erschienen zudem erst dann sinnvoll, wenn zuvor ausreichend Propagandamaterial in Form von Flugblättern und Broschüren verbreitet worden war [29].

Zu dieser Zeit lässt sich insgesamt ein Dilemma in der sozialdemokratischen Zielgruppenarbeit beobachten, das exemplarisch auf dem Frankfurter Parteitag der SPD im Oktober 1894 zutage trat. Bereits im Vorfeld wurde kontrovers diskutiert, ob die Inhalte des Parteiprogramms überhaupt für die Agitation im ländlichen Raum geeignet seien. Ein entsprechender Antrag forderte daher die Einsetzung einer Partei- bzw. Agrarkommission, die grundlegende Analysen zu den spezifischen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen des ländlichen Raums sowie zu dessen Bewohnerinnen und Bewohnern erarbeiten sollte. Auf dieser Grundlage sollte bis zum nächsten Parteitag ein eigenständiges agrarpolitisches Programm der Partei entstehen, ergänzt um einen praxisorientierten Leitfaden für die Werberinnen und Werber. Darüber hinaus lagen mehrere Anträge zum Themenkomplex „Sozialdemokratie und Religion“ vor, die sich jedoch auf keine einheitliche politische Linie verständigen konnten. [30]

Diese inhaltlichen wie auch organisatorischen Unsicherheiten versuchte man zunächst durch einen pragmatischen Ansatz des „Learning by doing“ auszugleichen. Zeitgenössisch wurde dies mit dem Hinweis begründet, „daß wir uns bei der Landagitation auf einem Gebiete bewegen, das der Mehrzahl der Genossen mehr oder weniger fremd ist. Man hat aber gelernt und bereits ‚unzweckmäßige‘ Methoden der Landagitation durch ‚bessere‘ ersetzt“ [31]. Gleichwohl blieben auch hier Unstimmigkeiten im praktischen Vorgehen bestehen. So beharrte etwa der bayerische Landesverband darauf, die Landagitation nach eigenen Maßstäben zu gestalten, und wandte sich ausdrücklich gegen eine parteiweit einheitliche, als „schablonenhaft“ empfundene Vorgehensweise [32]. Dazu passend Dr. Bruno Schönlank, der am SPD-Parteitag 1894 zum Themenblock “Agrarfrage und Sozialdemokratie” als erster Berichterstatter fungierte:

„Wer nicht auf dem Lande gelebt hat, die Bauern nicht kennt, der darf nicht Landagitation treiben, sonst richtet er nur groben Unfug an. Man soll Leute aufs Land schicken, die etwas davon verstehen, und nicht Leute, die den Bauern gleich vom achtstündigen Arbeitstage erzählen. […] So ein Herr aus Berlin (Oho!), der ist nicht geeignet für die Landagitation. (Rufe: Das läßt sich Alles lernen!)“ [33]

Die Landproletarier galten als erfolgversprechendste Zielgruppe der sozialdemokratischen Landagitation. Ob Kleinbauern für Parteiwerbemaßnahmen überhaupt geeignet seien, blieb jedoch ein umstrittener Diskussionspunkt. Dabei fiel auch das Argument, dass – falls eine Gewinnung der kleinstrukturierten Landwirtschaft scheitere – die Kleinbauern wenigstens „neutralisiert“ werden könnten, indem Vorurteile abgebaut und Loyalitäten gelockert würden. Georg von Vollmar, erster Vorsitzender der bayerischen SPD und zweiter Berichterstatter zum Thema „Agrarfrage und Sozialdemokratie“ auf dem erwähnten Parteitag, schilderte dabei seine Erfahrungen aus tatsächlichen Agitationsversuchen im landwirtschaftlichen Milieu:

“Man hat sich die Landagitation lange Zeit so vorgestellt, daß sich die Genossen truppweise wie ein Heuschreckenschwarm über das Dorf ergossen und Flugblätter vertheilt haben, die nicht einmal die Genossen, geschweige denn die Bauern verstanden haben. Den Genossen mache ich keinen Vorwurf. Die Genossen haben dann von Oben herab auf die Bauern eingeredet […] und sind dann mit Gesang abgezogen. Als dann die Bauern unter sich waren, als das Feld wieder ihnen gehörte, da unterhielten sich die Bauern über die Genossen. Es waren keine Schmeicheleien, die man da zu hören bekam. (Heiterkeit.) […] Wer auf Landagitation geht, der verbrenne alle alten Agitationsbroschüren, der versenke sich in den Charakter der landwirthschaftlichen Productionsweise, er lege vor Allem den städtischen Hochmuth ab, jenen Hochmuth, der da annimmt, daß der Städter viel klüger ist, als der Bauer.” [34]

Der Frankfurter Parteitag rief im Nachhinein deutliche Kontroversen hervor. Kritische Stimmen warfen dem Reformkurs Vollmars vor, die praktizierte „Bauernrettung“ habe den klassentheoretischen Charakter der SPD verwässert, da aus Sicht der Gegner selbst „gerettete“ Bauern weiterhin tragende Stützen des bestehenden Klassenstaates geblieben seien. August Bebel wies in einem Beitrag alle Bestrebungen entschieden zurück, die den proletarisch-revolutionären Kern der Partei aushöhlen könnten. [35]

Auch parteiinterne Organe wie die Arbeiter-Zeitung verurteilten diese Anpassungen als Schwächung der proletarischen Klarheit und als Gefahr für die revolutionäre Ausrichtung. In Württemberg distanzierte sich die Schwäbische Tagwacht scharf von Vollmars Positionen – in ihren Augen wäre es politischer Selbstmord, gegenüber rückständigen Bevölkerungsschichten inhaltliche Zugeständnisse zu machen, die letztlich wirkungslos blieben. In Heilbronn führte diese Zuspitzung zu tiefen Rissen zwischen radikaleren Jüngeren und den älteren Genossen. [36]

Die Debatten über Erfolge und Misserfolge der sozialdemokratischen Agitation im ländlichen Raum fanden auch in der konservativen und deutschnationalen Presse Resonanz. So warnte etwa das Salzburger Volksblatt in einem Kommentar davor, dass die „sozialistischen Irrlehren“ zwar bislang nicht den erhofften Durchbruch auf dem Land erzielt hätten, die langfristigen Folgen der „Aufhetzung und immerwährenden Beunruhigung“ der Landbevölkerung jedoch nicht unterschätzt werden dürften:

„Auf den Parteitagen der Sozialdemokraten, und so auch auf dem jüngsten in Frankfurt, wird die Propaganda auf dem Lande eingehend besprochen […]. An diesem Beispiele der intensivsten Arbeit auf dem Gebiete der politischen Propaganda können sich alle Parteien eine Lehre nehmen. Man muß – und je weiter die Sozialdemokratie sich in Oesterreich ausbreitet, desto nothwendiger wird dies werden – diese Propaganda mit ihren eigenen Mitteln bekämpfen, d. h. ebenso rührig sein in der Verbreitung der eigenen Anschauungen. Man muß ebenfalls billige Schriften, Zeitungen u. s. w. unterbreiten und sich lediglich auf die Abwehr beschränken.“ [37]

Als zentrales Angriffsmoment gegen die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten wurde dabei immer wieder deren vermeintliches Unverständnis für die spezifischen Lebens- und Wirtschaftsverhältnisse des ländlichen Raums angeführt, insbesondere in Bezug auf die dort vorherrschenden „Eigenthumsanschauungen“.

Tatsächlich aber standen die ländlichen Besitzstrukturen in Diskussion, was der sozialdemokratischen Landagitation eine Möglichkeit eröffnete: Zeitgenössische Beobachter konstatierten für Teile des österreichischen ländlichen Raums gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Erosion traditioneller bäuerlicher Besitzverhältnisse sowie eine Tendenz zur Konzentration von Grund und Boden bei Großgrundbesitzern, wie eine wirtschaftspolitische Analyse in der christlichsozialen Reichspost von 1895 zeigte. Wichtig zu betonen ist, dass eine derartige Feststellung in einem Medium formuliert wurde, das dem politischen Katholizismus nahestand, dessen Blattlinie vom wirtschaftlichen Antisemitismus geprägt war und das sich gezielt an ein katholisches Mittelschichtpublikum richtete. [38]

Der gesamte Text liest sich als eine sozialökonomische Kritik an den Besitzstrukturen im österreichischen Teil der Habsburgermonarchie. Er beschreibt einen fortschreitenden Konzentrationsprozess von Grund und Boden, die Zerstörung ländlicher Lebensräume – etwa durch die Umwandlung von Ackerland in Jagdgebiete – sowie die enge Verflechtung von Großgrundbesitz, Industrie und Finanzkapital.

Zugleich nennt der Artikel konkrete Zahlen aus den 1870er Jahren, etwa für Niederösterreich: 247 Großgrundbesitzer verfügten über 556.444 Joch Land, während dem gesamten Gemeindebesitz lediglich 24.559 Joch gegenüberstanden; neun Familien allein kontrollierten davon 157.000 Joch. Ein „Joch“ war dabei die Fläche, die ein Ochsengespann an einem Tag pflügen konnte, und entsprach etwa 0,36 Hektar. [39]

Deutsche Ergebnisse und österreichisches Zögern

Im Juli 1895 berichtete die Arbeiter-Zeitung über die Ergebnisse der Agrarkommission der deutschen Sozialdemokratie, die dem nächsten Parteitag in Breslau (6.–12. Oktober 1895) zur Beschlussfassung vorgelegt werden sollten. Bürgerliche Kommentatoren bemühten sich dabei, den Eindruck zu erwecken, dass durch eine Überbetonung kleinbäuerlicher Interessen die Grundprinzipien des Erfurter Programms von 1891 aufgeweicht wurden.

Dem wurde entgegengehalten, dass der grundlegende programmatische Konsens unberührt geblieben sei, namentlich “die Verwandlung des kapitalistischen Privateigenthums an Produktionsmitteln Grund und Boden, Gruben und Bergwerke, Rohstoffe, Werkzeuge, Maschinen, Verkehrsmittel – in gesellschaftliches Eigenthum und die Umwandlung der Waarenproduktion in sozialistische, für und durch die Gesellschaft betriebene Produktion” [40]. Vielmehr hätte die Kommission beabsichtigt, zusätzliche Punkte für die Landagitation auszuarbeiten.

Einer dieser Punkte betraf etwa die “Abschaffung aller mit dem Grundbesitz verbundenen behördlichen Funktionen und Privilegien” wie Patronatsrechte, Fideikommisse[41] oder Steuervorrechte. Gefordert wurden weiters die “Erhaltung und Vermehrung des öffentlichen Grundeigenthums”, die “Bewirthschaftung der Staats- und Gemeindeländereien auf eigene Rechnung oder Verpachtung an Genossenschaften von Landarbeitern und von Kleinbauern” sowie die “unbeschränkte Aufrechterhaltung und Erweiterung der bestehenden Waldnutzungs- und Weiderechte unter Gleichberechtigung aller Gemeindeangehörigen” inkl. freies Jagdrecht auf eigenem und gepachtetem Boden. Ergänzt wurden arbeiterpolitische Schutzforderungen, darunter der achtstündige Arbeitstag, das Verbot der Kinderarbeit, die Sicherstellung des Koalitionsrechtes sowie die Angleichung der Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft an gewerbliche Standards, insbesondere durch die “rechtliche Gleichstellung der landwirthschaftlichen Arbeiter und der Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern”. [42]

Nach langen und kontroversen Debatten fand der Entwurf eines Agrarprogramms auf dem Parteitag in Breslau keine Mehrheit: August Bebel sprach sich dafür aus, Karl Kautsky lehnte ihn entschieden ab. Während in Deutschland agrarpolitische Fragen bereits vertiefend diskutiert wurden, beschränkte sich die österreichische Sozialdemokratie auf vorbereitende Erhebungen und delegierte Verantwortlichkeiten an die Landesorganisationen.

Beim Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie im April 1896 in Prag standen zwar mehrere Debatten zur Landagitation auf der Tagesordnung, doch blieb es bei organisatorischen Beschlüssen. Statt der Ausarbeitung eines eigenen Agrarprogramms entschied sich die Mehrheit der Delegierten dafür, die agrarpolitische Diskussion auf den nächsten Parteitag zu vertagen, zu dem auch Bauern und Landarbeiter beigezogen werden sollten. In der Zwischenzeit sollte die Landagitation „energisch betrieben“ und die ländlichen Verhältnisse durch Fragebögen genau erforscht werden. [43]

Der entscheidende Antrag ging auf Josef Holzhammer aus Innsbruck zurück, eine der zentralen Figuren der sozialdemokratischen Arbeiter:innenbewegung in Tirol. Bemerkenswerterweise widersprach ihm mit Franz Schuhmeier ausgerechnet ein Wiener Parteigenosse. Schuhmeier argumentierte, im Hinblick auf die bevorstehenden Wahlen sei ein „Landprogramm“ dringend erforderlich. Mit dieser Position blieb der Arbeiterführer aus Ottakring jedoch in der Minderheit.

Zuvor sprach Leo Verkauf über die “Lage der ländlichen Arbeiter”. Der Anwalt, Fachautor und spätere Parlamentarier präsentierte eine schonungslose Ist-Analyse und kritisierte dabei auch die mangelnde Fortschritte seiner Partei auf diesem Themengebiet:

“Die österreichische Sozialdemokratie ist eine junge Partei. Mit der Organisation der industriellen Arbeiter beschäftigt, hat sie bis heute noch nicht die Zeit gefunden, Bauernagitation zu betreiben. Die anderen Parteien sind uns hier voraus.” [44]

Verkauf verwies zudem auf aufschlussreiches Zahlenmaterial aus der Volkszählung von 1890. Demnach belief sich die Zahl der selbständigen Bauern auf rund zwei Millionen, während etwa 5,5 Millionen Personen als unselbständig Beschäftigte in der Landwirtschaft tätig waren; hinzu kamen 824.000 Taglöhner in diesem Sektor. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass unter den selbständigen Bauern auch deren Familienangehörige mitgezählt wurden. Auf Grundlage eigener Berechnungen gelangte Verkauf zu dem Ergebnis, dass die Gesamtzahl der Landarbeiter – mit oder ohne Besitz – bei etwa 4¼ Millionen lag. [45]

Weiters wurde am Parteitag die Ausweitung der Reichweite der Arbeiter-Zeitung „in der Provinz“ thematisiert. In diesem Zusammenhang wurde ein Antrag beschlossen, der die gezielte Verbreitung von Flugblättern vorsah, mit denen Genossinnen und Genossen dazu aufgefordert wurden, ausschließlich jene Gasthäuser auf dem Land zu frequentieren, in denen Exemplare des sozialdemokratischen Parteiorgans auflagen. [46]

Tatsächlich wurde der allgemeinen Verbreitung sowie der geografischen Verbreiterung der sozialdemokratischen Presse in den ersten Jahrzehnten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Bereits im Jahr 1892 erschien die Arbeiter-Zeitung als Wochenblatt in der Auflage von 12.000 Exemplaren und wuchs rasant an. Dazu kamen die in Wien erscheinende angriffigere Volkstribüne und die für die Landagitation entwickelte Bauernstube. 1896 rechnete man so bereits mit einer Gesamtauflage von 78.000 Exemplaren in deutscher Sprache. [47]

Während sich die Agitation im ländlichen Raum für die Sozialdemokratie als stockendes Unterfangen erwies, berichtete die Arbeiter-Zeitung im September 1896 von einem „umgekehrten Vorfall“. Eine christlich-soziale Arbeiterversammlung im 15. Wiener Gemeindebezirk wurde noch vor ihrem offiziellen Beginn abgesagt, da sozialdemokratische Anhänger:innen in etwa zehnfacher Zahl zum Versammlungsort strömten. In publizistischer Zuspitzung wurde angemerkt, dass eine solche zahlenmäßige Überlegenheit eigentlich kein Anlass zur Absage hätte sein müssen, zumal sich Sozialdemokrat:innen bei Veranstaltungen im ländlichen Raum regelmäßig in einer deutlich größeren Minderheit befänden. [48]

Darüber hinaus wurde wiederholt beklagt, dass die verfügbaren sozialdemokratischen Redner:innen für Auftritte im ländlichen Raum nicht immer geeignet seien. Zugleich musste man jedoch einräumen, dass für diese anspruchsvolle Aufgabe schlicht nicht genügend gut geschulte Funktionär:innen zur Verfügung standen [49]. Trotz dieser Schwierigkeiten zeigten sich klerikale Kräfte im Vorfeld der Reichsratswahlen von 1897 besorgt, die begonnene Landagitation könnte „Bauernknechte und Taglöhner“ dazu verleiten, ihr Wahlkreuz in der neu-geschaffenen fünften Kurie bei der SDAP zu setzen. Auf katholisch-konservativer Seite begann man daher, Ratgeber zu Fragen des Vereins- und Versammlungswesens zu veröffentlichen, um auch selbst eine systematischere Agitation im ländlichen Raum zu entfalten. [50]

Die Reichratswahl 1897

Das seit 1848 geltende Zensuswahlrecht gestattete nur einer kleinen Gruppe von Männern [51], ihr Wahlrecht tatsächlich auszuüben. Voraussetzung war entweder das Erreichen einer bestimmten Steuerleistung oder die Zugehörigkeit zu ausgewählten Berufsgruppen (etwa Juristen, Ärzte, Professoren, Priester oder höhere Beamte). Die Wahlberechtigten wurden dabei in vier Kurien eingeteilt – Großgrundbesitz, Städte/Märkte/Industrieorte, Handels- und Gewerbekammern sowie Landgemeinden –, deren Stimmen jeweils unterschiedliches Gewicht besaßen. Selbst nachdem die erforderliche Mindeststeuerleistung 1882 von zehn auf fünf Gulden herabgesetzt worden war, blieb ein großer Teil der Bevölkerung weiterhin vom Wahlrecht ausgeschlossen.

Für die junge Sozialdemokratie rückte daher der Kampf um ein allgemeines und gleiches Wahlrecht in den Mittelpunkt ihrer politischen Forderungen. Auf dem Parteitag von 1894 wurde die Einführung einer fünften Wahlkurie für alle Männer ab dem 24. Lebensjahr verlangt; zugleich drohte man für den Fall der Nichterfüllung mit einem Generalstreik. Zwei Jahre später wurde mit der sogenannten Badenischen Wahlreform tatsächlich eine solche „allgemeine Wählerkurie“ geschaffen. Innerhalb der Sozialdemokratie keimte damit die Hoffnung, nach der bevorstehenden Reichsratswahl erstmals in das Abgeordnetenhaus einziehen zu können.

Bei der Reichsratswahl im März 1897 entfielen 72 der insgesamt 425 Mandate auf die fünfte Kurie; wahlberechtigt waren hier rund 5,5 Millionen Männer. Demgegenüber bestimmten in der Kurie des Großgrundbesitzes etwa 5.000 Wahlberechtigte nicht weniger als 85 Abgeordnete. Die SDAP errang in der fünften Kurie 14 Mandate [52], blieb jedoch in Wien ohne Mandatsgewinn. Dort behaupteten die Christlichsozialen um Karl Lueger ihre dominante Stellung.

Aus dem Gebiet des heutigen Österreich konnte sich Hans Resel im Wahlkreis Graz mit 53,7 Prozent der Stimmen durchsetzen. Der Arbeiterwille, die sozialdemokratische Parteizeitung der Steiermark, hielt dazu fest, dass Resel außerhalb von Graz 8.852 Stimmen erzielen konnte. Angesichts der kurzen Zeit, die für die Landagitation zur Verfügung gestanden hatte, wurde dieses Ergebnis als großer Erfolg gewertet. Dies umso mehr, als das klerikale Grazer Volksblatt von einer „erschreckend großen“ Zahl sozialdemokratischer Wählerstimmen im ganzen Land sprach. [53]

Dem steirischen Wahlerfolg ging eine beeindruckende Wahlbewegung voraus – insbesondere vor dem Hintergrund der politischen Rahmenbedingungen, unter denen die Sozialdemokratie damals agieren musste. Das organisatorische Zentrum bildeten fünf politische Vereine, die als zentrale Dreh- und Angelpunkte der Mobilisierung fungierten. Noch vor der Bekanntgabe der offiziellen Wahlinformationen wurden rund 200 „Volksversammlungen und Vereinsversammlungen“ abgehalten. Nach der Ausschreibung der Wahl folgten zahlreiche weitere Veranstaltungen; zeitgenössische Schätzungen gingen von mehr als 1.000 Terminen aus. [54]

Auch für die Landagitation war diese Wahlbewegung von großer Bedeutung, gelang es doch, selbst in entlegensten Ortschaften vorzudringen und eine eigens dafür geschaffene Schrift mit dem Titel “s’ Thor zua” rund 20.000 mal zu verteilen. Der Arbeiterwille berichtete nicht ohne Stolz, dass Geistliche “öffentlich und sogar in Predigten” dagegen vorgingen. [55]

Für die SDAP stellte der Einzug ihrer ersten Abgeordneten einen wichtigen symbolischen Schritt dar. Trotz der massiven Mobilisierung blieb die politische Repräsentation der Arbeiterklasse jedoch deutlich unterproportional. Diese Erfahrung trug dazu bei, dass die Sozialdemokratie in den folgenden Jahren ihren Kampf für ein demokratischeres Wahlrecht weiter intensivierte.

Der Genosse aus Wildwest

Emil Kralik spielte für die Fachorganisation der Buchdrucker eine wichtige Rolle und wurde im Jahr 1895 zum Lokalredakteur bei der Arbeiter-Zeitung bestellt. Seine Stärke lag im Humor, was zahlreiche humoristisch-satirische Texte belegen, unter anderem auch beim sozialdemokratischen Witzblatt Die Glühlichter. In der Arbeiter-Zeitung erschien zudem die Kolumne „Der Genosse aus Wildwest“. Unter seinem Pseudonym „Habakuk“ erschuf Kralik die satirische Figur des „Herrn von Bauchinger“, einem engstirnigen Wiener Spießbürger, der für die spöttische Kritik an der Wiener Bourgeoisie stand.

Anfang Juli 1897 erschien ein Beitrag, der “Habakuk” ins Waldviertel verschlug. Dort beobachtete er das ländliche Leben aus nächster Nähe – etwa bei Besuchen im Wirtshaus oder beim Kegeln – und entwickelt daraus eine Idee politischer Arbeit auf dem Land. Sozialdemokrat:innen, so die Botschaft, sollten Bauern nicht in formellen Versammlungen als fremde „Städter“ gegenübertreten. Stattdessen sollten sie das Gespräch auf Augenhöhe suchen und am alltäglichen Leben teilnehmen. Auf diese Weise, so Kraliks pointierte Darstellung, entstünden Vertrauen und nachhaltigere politische Überzeugungen. [56]

Die satirische Erzählung verband dabei Kritik an Politikern wie Karl Lueger und Albert Geßmann mit einem anerkennenden Blick auf bäuerliche Arbeit und die Vorzüge der Landluft. Am Ende klingt der Text humorvoll aus – mit Knödeln, guter Stimmung und dem augenzwinkernden Wunsch nach längerer Wiener Abwesenheit. Hinter diesem Schluss steht eine klare Botschaft: Die Partei sollte mehr Agitator:innenen aufs Land schicken, um dort wirksam für ihre Ideen zu werben. [57]

Fast zeitgleich zeichnete das Grazer Volksblatt ein ebenfalls polemisches Bild der sozialdemokratischen Landagitation – diesmal allerdings ohne jede Sympathie. Das Blatt bemängelte, dass sachliche Diskussionen kaum Beachtung fänden, während hetzerische Zwischenrufe stürmischen Beifall hervorriefen. In den versammelten Gruppen waren nur etwa ein Viertel der Teilnehmer:innen tatsächlich Bäuerinnen und Bauern; die lautstarken Reaktionen gingen überwiegend von Studenten und agitatorischen Helfer:innen aus. Die Sozialdemokratie erschien demnach als geschickte Nutznießerin radikaler bäuerlicher Strömungen vor Ort, die sie zur Verstärkung von Zwischenrufen einsetzte und so die Meinung der bäuerlichen Zuhörer:innen beeinflusste. [58]

Zwischenfazit: “Ein Recept zur Landagitation”

Die Jahre vor 1900 markierten für die österreichische Sozialdemokratie eine Zeit der Konsolidierung nach dem Hainfelder Parteitag von 1888/89, auf dem die Arbeiter:innenbewegung unter Führung Victor Adlers zu einer einheitlichen Partei zusammengeführt werden konnte. In diesem Zeitraum festigte die Partei ihre Position in den urbanen Zentren sowie entlang der großen Industrieregionen, wo gewerkschaftliche Fachvereine rasch anwuchsen. Der 1. Mai 1890 markierte zudem die erste öffentliche Wahrnehmung der Sozialdemokratie als Massenbewegung, zugleich blieb aber der politische Einfluss durch Repressionen, Willkür und das Wahlrecht weiterhin begrenzt.

Trotz der allgemeinen Anfangserfolge blieb die Landagitation Stückwerk. Auch auf dem Parteitag 1898 in Linz wurde die Frage erneut vertagt, wenngleich einzelne Wahlkreise dahingehend durchaus Erfolge vorweisen konnten [59]. Schließlich wurde eine fünfköpfige Kommission eingesetzt, die sich bis zum nächsten Parteitag “mit der Frage der Agitation und der Organisation in der landwirtschaftlichen Bevölkerung” [60] befassen sollte. Weiterhin stellten sich jedoch viele in der Partei die Frage, ob Teile der Landbevölkerung den “Liebesbewerbungen” Gehör schenken würden oder ob dieser Ansturm an den “anticollectivistischen Schädeln” abprallen würde. [61] [62].

Charakteristisch für diese Unbeholfenheit sind Berichte, Leserbriefe und andere zeitgenössische Texte, die eine Vielzahl unterschiedlicher Ratschläge für die sozialdemokratische Landagitation boten. Ein Beispiel hierfür lieferte ein Beitrag aus dem deutschen Braunschweig, der Ende 1897 im Vorarlberger Volksblatt veröffentlicht wurde. Unter dem Titel „Ein Recept zur Landagitation“ heißt es dort etwa:

“Die heutige Agitation hat vielfach den Fehler, dass die Agitatoren nicht genügend die Ortsverhältnisse studieren, ehe sie in einem Bezirk erscheinen. Der ländliche Agitator hat in möglichst einfacher, aber sauberer Kleidung höflich aufzutreten, in Wirtschaften sich sehr reserviert zu verhalten, wenn nicht nur Arbeiter vertreten sind; jede Discussion, die er nicht nach allen Seiten beherrscht, soll er möglichst zu vermeiden suchen. Religiöse Themata sind überhaupt nicht anzuschneiden. […] Weiter darf der Agitator dem ländlichen Arbeiter in seinen eigenen Sachen keine Vorschriften machen wollen, da sonst leicht das Gegentheil erzielt wird, indem der Landmann sagt: Der will mich belehren und ist dümmer als ich. Wird in diesem Sinne agitiert, so werden die Früchte nicht ausbleiben.” [63]

Auf der sechsten niederösterreichischen SDAP-Landeskonferenz im November 1897 war diese Problematik ebenfalls allgegenwärtig. Überliefert ist die Empfehlung, zunächst einzelne Personen in den Dörfern zu gewinnen und erst in einem zweiten Schritt zur Einberufung von Versammlungen überzugehen. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass die Zusammenkünfte nicht den angestrebten Erfolg erzielen würden. [64]

Besonders intensiv wurde die übergeordnete Frage erörtert, ob für die Agitation ein eigenständiges Agrarprogramm entwickelt werden sollte. In Frankreich, Italien, Belgien, Dänemark, Norwegen, Ungarn und Rumänien wurde dies bejaht, während sich in anderen Ländern, etwa in Österreich (d. h. der cisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie), die Meinungsbildung dazu auf einen längeren Zeitraum erstreckte [65]. Beim Parteitag 1899 in Brünn wurde im Zuge der “Wahl einer Kommission zur Revision des Parteiprogramms” endlich auch dafür der Grundstein gelegt. Der Berichterstatter Wilhelm Ellenbogen fasste dies folgendermaßen zusammen:

“Als im Jahre 1890 das Hainfelder Programm geschaffen wurde, konnten wir uns noch nicht mit dem Landproletariat beschäftigen, ja es wäre lächerlich gewesen, damals ein Agrarprogramm aufzustellen. Solche Fragen tauchen aber im Laufe der Zeit immer wieder auf, und was wir damals mit Recht übergangen haben, das zu vernachlässigen wäre heute eine große Sünde. […] Wir haben in der eben verflossenen Zeit nicht Gelegenheit gehabt, uns friedlicher Denkarbeit hinzugeben. Das müssen wir ruhigen Zeiten überlassen […]. Heute handelt es sich lediglich um die Wahl einer Kommission, die dieses Programm in den nächsten zwei Jahren zu revidiren und dem nächsten Gesammtparteitag einen bestimmten Vorschlag zu erstatten hat.” [66]

Damit war der programmatische Grundpfeiler der sozialdemokratischen Landagitation gelegt, die als notwendige Voraussetzung für spätere Wahlerfolge galt. Ohne die Unterstützung der zahlenmäßig überlegenen ländlichen Bevölkerung blieb der Weg zur politischen Mehrheit versperrt.

Anhang

Übersicht der Parteitage 1888/89 bis 1899

  • 30. Dezember 1888–1. Januar 1889: Hainfeld (Einigungsparteitag)
  • 28.–30. Juni 1891: Hotel Union, 1090 Wien
  • 5.–9. Juni 1892: Drei-Engel-Säle, 1040 Wien
  • 25.–31. März 1894: Schwenders Kolosseum, 1150 Wien
  • 5.–11. April 1896: Prag
  • 6.–12. Juni 1897: Hotel Wimberger, 1070 Wien
  • 29. Mai–1. Juni 1898: Linz
  • 24.–29. September 1899: Brünn (Brno)
Titelbild: Huber, Ernst (1927). Landagitation, in: Kunst und Volk. Mitteilungen des Vereines "Sozialdemokratische Kunststelle", April 1927, S. 7.

Quellen:
[1] Zentralsekretariat der Sozialistischen Partei Österreichs (1964). Das große Erbe: 75 Jahre österreichische Sozialdemokratie, Vorwärts Druck- und Verlagsanstalt, Wien, S. 43.
[2] Rail, Lisa Francesca (Hg.). Otto Bauer und die Commons. 100 Jahre Vision von der demokratischen Sozialisierung des Bodens, in: Bauer, Otto (2024). Der Kampf um Wald und Weide. Studien zur österreichischen Agrargeschichte und Agrarpolitik, Wien, Mandelbaum Verlag, S. 14.
[3] Vgl. Konrad, Helmut (1983). Arbeitergeschichte und Raum, in: Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (Hg.): Geschichte als demokratischer Auftrag, Europa Verlag, Wien S. 39.
[4] Kaut, Josef (1961). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, Wien, S. 218.
[5] Vgl. Konrad, Helmut (1983). Arbeitergeschichte und Raum, in: Ludwig Boltzmann Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung (Hg.): Geschichte als demokratischer Auftrag, Europa Verlag, Wien S. 52.
[6] Zentralsekretariat der Sozialistischen Partei Österreichs (1964). Das große Erbe: 75 Jahre österreichische Sozialdemokratie, Vorwärts Druck- und Verlagsanstalt, Wien, S. 5.
[7] Wiener Landwirtschaftliche Zeitung (1891). Die Socialdemokratie [sic] und die Landwirtschaft, 22. August 1891, Seite 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[8] Vgl. Mattl, Siegfried (1981). Agrarstruktur, Bauernbewegung und Agrarpolitik in Österreich 1919–1929, Wien/Salzburg, S. 263.
[9] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1890). Der sozialdemokratische Parteitag in Halle, 24. Oktober 1890, S. 3-4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[10] Ebd., S. 5.
[11] Vgl. Vorarlberger Landes-Zeitung (1889). Ausland. München, 9. April 1889, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[12] Vgl. Gisinger, Arno (1989). Agitation ohne Programm. Die sozialdemokratische Agrarpolitik vor 1918, in: Greussing, Kurt (Hg.): Die Roten am Land. Heimat:Dorf. Lebensbilder - Zukunftsräume, Museum Industrielle Arbeitswelt Steyr, S. 5.
[13] Salzburger Wacht (1909). Zehn Jahre Kampf, 1. Juli 1909, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[14] Ebd., S. 1.
[15] Vgl. Kaut, Josef (1982). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Graphia Druck- und Verlagsanstalt, Salzburg, S. 41ff.
[16] Ebd., S. 37f.
[17] Gewerkschaft der Eisenbahner (1992). 100 Jahre Gewerkschaft der Eisenbahner, Verlag des Österreichischen Gewerkschaftsbundes, Wien, S. 64ff.
[18] Thaler, Walter (1999). Stark betroffen. Wenig beachtet. Sozialdemokratie in Salzburger Gemeinden. Gespräche mit Salzburger Bürgermeistern, Graphia, Salzburg, S. 178.
[19] Vgl. Bauer, Ingrid (1988). 100 Jahre Sozialdemokratie. Von der alten Solidarität zur neuen sozialen Frage, Europaverlag, Wien.
[20] Vgl. Vasold, Christian (2011). Das Reichsgemeindegesetz 1862 – Entstehung, Bedeutung und Inhalte, Diplomarbeit zur Erlangung des akademischen Grades eines Magisters der Rechtswissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz, S. 74ff sowie Neunherz, Alexander (2025). Jakob Viehauser: Sozialdemokratischer Bürgermeister der ersten Stunde. Eine politische Biografie, Wien, S. 20f.
[21] Volksbote (1900). Zur Landagitation, 8. Februar 1900, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[22] Arbeiter-Zeitung (1892). Parteitag der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, 18. November 1892, S. 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[23] Ebd., S. 4
[24] Arbeiter-Zeitung (1893). Der internationale Sozialisten-Kongreß in Zürich, 1. September 1893, S. 10 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[25] Linzer Volksblatt (1894). Die Bauern und die Socialdemokratie, 5. Oktober 1894, S. 1 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[26] Arbeiter-Zeitung (1894). Das agrikole Programm der französischen Sozialdemokratie, 9. Oktober 1894, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[27] Engels, Friedrich (1894/95). Die Bauernfrage in Frankreich und Deutschland, in: Die Neue Zeit, Nr. 10, 13. Jahrgang, I. Band, S. 301.
[28] Ebd., S. 301f.
[29] Arbeiter-Zeitung (1894). Ausland. Zweiter Parteitag der Sozialdemokraten Bayerns, 5. Oktober 1894, S. 5 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[30] Vgl. Das Vaterland (1894). Deutschland, 13. October 1894, S. 3 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[31] Vgl. Das Vaterland (1894). Parteitag der deutschen Socialdemokratie III, 26. October 1894, S. 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[32] Vgl. Das Vaterland (1894). Parteitag der deutsche« Socialdemokratie I, 27. Oktober 1894, S. 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[33] Schönlank, Bruno (1894). Parteitag der deutschen Sozialdemokratie IV, in: Das Vaterland, 28. Oktober 1894, S. 10 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[34] Von Vollmar, Georg (1894). Parteitag der deutschen Sozialdemokratie IV, in: Das Vaterland, 28. Oktober 1894, S. 10 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[35] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1894). Zum Frankfurter Parteitage, 23. November 1894, S. 3f; Arbeiter-Zeitung (1894). Ausland. Deutschland, 11. Dezember 1894, S. 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[36] Vgl. Bregenzer Tagblatt (1894). Politische Rundschau. München, 7. Dezember 1894, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[37] Salzburger Volksblatt (1894). Was noth thut, 10. November 1894, S. 12 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[38] Vgl. Reichspost (1895). Volkswirthschaftlicher Teil. Der Großgrundbesitz und die Verschuldung des Bauernstandes in Oesterreich, 19. Juni 1895, Seite 4 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[39] Ebd., S. 4.
[40] Arbeiter-Zeitung (1895). Das deutsche Agrarprogramm, 19. Juli 1895, S. 2 (ANNO/Österreichische Nationalbibliothek).
[41] Anm.: Fideikomisse wurden aus sozialdemokratischer Sicht als feudale Überreste kritisiert, weil sie umfangreichen Grundbesitz fest in den Händen adliger oder großbürgerlicher Familien verankerten und damit traditionelle Klassenverhältnisse aufrechterhielten.
[42] Ebd., S. 2.
[43] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1896). Der Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie, 12. April 1896, S. 4 (Österreichische Nationalbibliothek).
[44] Ebd., S. 2.
[45] Ebd., S. 2.
[46] Ebd., S. 4.
[47] Vgl. Zöllämter- und Finanzwach-Zeitung (1896). Nicht rasten und nicht rosten, 15. Mai 1896, S. 1 (Österreichische Nationalbibliothek).
[48] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1896). Eine christlich-soziale "Arbeiterversammlung", 2. September 1896, S. 4. (Österreichische Nationalbibliothek).
[49] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1896). Parteinachrichten. Niederösterreichische Landeskonferenz, 20. Oktober 1896, S. 6. (Österreichische Nationalbibliothek).
[50] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1896). Vom Tage. Der Ausgang der Landtagswahlen, 6. November 1896, S. 1. (Österreichische Nationalbibliothek).
[51] Anm.: Formal konnten auch steuerleistende Witwen und Ehefrauen über Bevollmächtigte (meist männliche Familienangehörige) in der vierten Kurie wählen, was jedoch nur eine verschwindend geringe Minderheit betraf und die männliche Dominanz des Systems nicht tangierte.
[52] Anm.: Quellen nennen überwiegend 14 Mandate; vereinzelt werden 15 angegeben.
[53] Vgl. Arbeiterwille (1897). Das Resultat der Stichwahl, 18. März 1897, S. 5 (Österreichische Nationalbibliothek).
[54] Vgl. Arbeiterwille (1897). Zum VI. Parteitag der Sozialdemokratie Oesterreichs, 10. Juni 1897, S. 6 (Österreichische Nationalbibliothek).
[55] Ebd., S. 6.
[56] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1897). Der Genosse aus Wildwest, 4. Juli 1897, S. 5 (Österreichische Nationalbibliothek).
[57] Ebd., S. 5.
[58] Vgl. Grazer Volksblatt (1897). Bauernbündler und Socialisten, 9. Juli 1897, S. 1 (Österreichische Nationalbibliothek).
[59] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1898). Die Wahlkreisberichte, 31. Mai 1898, S. 3 (Österreichische Nationalbibliothek).
[60] Arbeiterwille (1898). Der Parteitag in Linz, 9. Juni 1898, S. 4 (Österreichische Nationalbibliothek).
[61] Vgl. Reichspost (1898). Die socialdemokratische Agitation auf dem Lande geht nicht vorwärts, 17. September 1898, S. 9 (Österreichische Nationalbibliothek).
[62] Anm.: Die politische Publizistik um 1900 war generell von einer metaphorischen und polemischen Sprache geprägt, die politische Annäherungsversuche oft ins Lächerliche zog. Formen der Untergriffigkeit waren ein gängiges Stilmittel im Kampf um die Gunst der Massen.
[63] Vorarlberger Volksblatt (1897). Ein Recept zur Landagitation, 28. Dezember 1897, S. 5 (Österreichische Nationalbibliothek).
[64] Vgl. Arbeiter-Zeitung (1897). Parteinachrichten. Die sechste niederösterreichische Landeskonferenz, 17. November 1897, S. 8 (Österreichische Nationalbibliothek).
[65] Vgl. Volksbote, Feuilleton. Die Landfrage und die Socialdemokratie, 7. September 1899, S. 1f. (Österreichische Nationalbibliothek).
[66] Arbeiter-Zeitung (1899). Der Brünner Parteitag, 29. September 1899, S. 2 (Österreichische Nationalbibliothek).