Das Revolutionsjahr 1848 und die Folgen für die Arbeiterschaft

Nach der Niederlage Napoleons in den Koalitionskriegen wurde Europa beim Wiener Kongress neu geordnet. Mit der darauffolgenden Gründung der „Heiligen Allianz“ Ende September 1815 wurde das „Metternichsche System“ etabliert, das bis heute als Inbegriff von Unterdrückung und Verfolgung gilt. Die monarchistische Autorität war eine tragende Säule des Systems  liberale Tendenzen wurden dabei ebenso abgelehnt wie eine Verfassung.

ArbeiterInnen und LandwirtInnen litten unter der sozial wie wirtschaftlich unerträglichen Situation. Dazu kam die wachsende Unzufriedenheit des Bürgertums und der Intellektuellen. Die „bürgerliche Revolution“ von 1848 liquidierte schließlich das „System Metternich“  am 13. März trat der Staatskanzler zurück und floh nach London. Für Salzburg hielt Josef Kaut fest, dass die Märzrevolution dazu ermutigte, freiheitliche Ideen auszusprechen. Anfang April 1848 erschienen etwa die „Volksblätter für Salzburg“. In der ersten Ausgabe wurde ein „Jubelgruß“ abgedruckt, in dem es hieß:

„Ein neuer Tag ist plötzlich über Österreichs weite Gaue angebrochen. Frei ist der Gedanke, frei ist das Wort, frei das Streben nach Prüfung und Besserung der Zustände..“. [1]

Trotz einiger früher Zugeständnisse, die man Kaiser Ferdinand I. abringen konnte, wurden die revolutionären Bemühungen im Dezember endgültig niedergeschlagen  auch die im März ausgearbeitete Verfassung sollte nie in Kraft treten.

Kleinere wie größere Erfolge überdauerten jedoch, so auch in Salzburg. Im Mai 1849 wurde etwa der erste Arbeiterverein gegründet. Die „Unterstützungskasse der Buchdrucker und Schriftgießer“ durfte damals noch keine politischen Ziele verfolgen und musste sich so auf Reise- und Krankenunterstützung beschränken. Trotz aller Vorsicht wurde der Vorstand drei Jahre später verhaftet und im Vereinssitz eine Hausdurchsuchung durchgeführt.

Erst mit dem Vereinsgesetz von 1867 erhielt die ArbeiterInnenbewegung eine erste legale Grundlage für ihre Aktivitäten. Zunächst wurden Bildungsvereine gegründet, da politische Vereine verboten waren. Die Behörden waren angehalten, jeden Verein umgehend aufzulösen, falls dieser seine statutenmäßige Wirksamkeit überschreiten sollte.

Am 11. März 1868 wurde um Genehmigung des ersten „Arbeiter-Bildungsvereins“ in der Kronlandeshauptstadt Salzburg angesucht. Dabei wurde als Vereinszweck „die Hebung des Arbeiterstandes in geistiger, sittlicher, kultureller und materieller Beziehung“ angeführt. Erreicht werden sollte dies durch die Abhaltung von Vorträgen, Diskussionen und sonstigen Veranstaltungen.

Eine Woche später, am 18. März 1868, teilte die Landesregierung dem Buchbindergehilfen Josef Klotz mit, dass der Verein nicht untersagt wird. Somit war der erste „Arbeiter-Bildungsverein“ in Salzburg offiziell gegründet. Die Tätigkeiten blieben aufgrund der engen gesetzlichen Rahmenbedingungen aber recht bescheiden. So wurden Rechtschreibkurse angeboten oder gemeinsame Ausflüge abgehalten.

In Wirklichkeit gärte es jedoch unter der Salzburger ArbeiterInnenschaft, die unerträglichen Bedingungen an ihren Arbeitsplätzen endlich zu verbessern.

Alexander Neunherz
(18. August 2018)

Titelbild:
Joseph Heicke: Barrikade am 26. und 27. Mai 1848 in Wien [gemeinfrei]
Quelle:
[1] Kaut, Josef (1982). Der steinige Weg. Geschichte der sozialistischen Bewegung im Lande Salzburg, Salzburg, S. 8.