„Bauern und Arbeiter in einer Partei“: Die Wiedergründung der SPÖ Bäuerinnen und Bauern nach 1945

Am 2. August 1945 berichtete die Tageszeitung „Neues Österreich“ über die Gründung des „Österreichischen Arbeitsbauernbundes“ durch Unterstaatssekretär Alois Mentasti. Damit wurde eine Nachfolgeorganisation für den Verband der „Freien Arbeitsbauern“ geschaffen, der im Jahre 1934 von den NationalsozialistInnen verboten und aufgelöst wurde. Die Büroräumlichkeiten befanden sich bereits damals in der Löwelstraße 18, seit Juli 1945 Sitz der heutigen SPÖ-Bundesgeschäftsstelle. Darüber hinaus erhielten alle Bezirksorganisationen ein entsprechendes „Agrarreferat“ zur fachlichen Unterstützung an ihre Seite gestellt. (1)

Österreich stand nach den Folgen von Krieg und NS-Terror vor einem mühevollen Neubeginn. Der antifaschistische Grundkonsens wurde selbstverständlich auch vom Arbeitsbauernbund mitgetragen, der dazu klar Stellung bezog. So meinte etwa ein Bauernfunktionär bei einer Bezirkskonferenz: „Der Arbeitsbauernbund sei zur friedlichen Zusammenarbeit mit allen ehrlichen Demokraten gewillt, aber ebenso entschlossen, gegen alle faschistischen Bestrebungen schärfsten Kampf zu führen. Die Zeiten der Anwendung terroristischer Methoden gegen Andersgesinnte müssen für immer vorbei sein (2).“

Am 13. und 14. Oktober 1945 fand in Salzburg die erste Länderkonferenz der neugegründeten Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) statt. Dabei wurden insbesondere Fragen und Problemstellungen „der in der Landwirtschaft tätigen Bevölkerung“ als auch der „selbständig Schaffenden“ erörtert. Darüber hinaus wurden umfangreiche Wahlvorbereitungen getroffen und KandidatInnen nominiert, wie der Wiener Kurier berichtete. (3)

In den darauffolgenden Monaten stand neben dem organisatorischen Aufbau die sogenannte „Bauernhilfe“ im Vordergrund. Gemeint waren damit umfangreiche Beratungsleistungen sowie Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen für „Kleinbauern“. Die Grazer Volkszeitung wusste über die steirischen Aktivitäten folgendes zu berichten:

„Der ‚Österreichische Arbeitsbauernbund‘ hat in Steiermark [sic] trotz seines kurzen Bestandes unter der Bauernschaft viele Anhänger gefunden und von Tag zu Tag erfolgen zahlreiche Anmeldungen. Die Arbeitsbauern werden sehend, sie wollen sich nicht länger vor den Karren des Großgrundbesitzes und des Aktienkapitals spannen lassen.“ (4)

Inhaltlich sorgte neben der „Bodenreform“ und dem „Pächterschutzgesetz“ die Forderung nach einer „Altersversorgung für den Bauern“ für regen Zulauf zur Organisation. Der „Österreichische Arbeitsbauernbund“ trat daher insbesondere für eine „auskömmliche Altersversorgung“ sowie eine „soziale Besserstellung des Bauernstandes“ ein. Der „Niederösterreichische Grenzbote“ merkte dazu an: „Je mehr der Arbeitsbauernbund an Boden gewinnt, desto diskutabler wird die Frage und nachhaltiger die Forderung nach einer auskömmlichen Altersrente für alle selbständigen Landwirte und landwirtschaftliche Pächter (5).“

Text: Alexander Neunherz

Titelbild: Chiemseehof Salzburg, 1946 (Steinocher-Archiv)

Quellen:
(1) Neues Österreich: Ausgabe vom 2. August 1945, Seite 3.
(2) Arbeiterwille: Ausgabe vom 7. März 1946, Seite 3.
(3) Wiener Kurier: Ausgabe vom 16. Oktober 1945, Seite 4.
(4) Grazer Volkszeitung: Ausgabe vom 16. November 1945, Seite 2.
(5) Niederösterreichischer Grenzbote: Ausgabe vom 10. Februar 1946, Seite 2.